Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Weils Integrationsplan stößt auf Ablehnung
Nachrichten Politik Niedersachsen Weils Integrationsplan stößt auf Ablehnung
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
20:36 26.02.2016
Von Michael B. Berger
Stephan Weil sieht den Bund in der Flüchtlingskrise stärker gefordert. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Man müsse die Integration von Flüchtlingen zu einer großen Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern machen – kaum hatte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) diesen Gedanken in einem HAZ-Interview ausgesprochen, hagelte es von der Landtagsopposition Kritik. „Ein weiterer Beleg für die Konzeptionslosigkeit des Ministerpräsidenten in der Asylfrage“, kommentierte CDU-Fraktionschef Björn Thümler. Ähnlich in der Tonlage klang Thümlers FDP-Kollege Christian Dürr. Er wertet den Vorschlag als weiteres „Ablenkungsmanöver“ Weils, um „von eigener Untätigkeit abzulenken“.

Weil sieht den Bund in der Flüchtlingskrise stärker gefordert und weist darauf hin, dass das Land Niedersachsen seine Ausgaben für Flüchtlinge binnen dreier Jahre verzehnfacht habe: von 170 Millionen Euro im Jahr 2014 auf 650 Millionen in 2015, für dieses Jahr seien 1,3 Milliarden eingeplant, für kommendes Jahr schon 1,7 Milliarden. Deshalb müsse jetzt der Bund stärker ins Boot, etwa indem er die Integrationsarbeit zur Gemeinschaftsaufgabe erkläre, argumentiert der Ministerpräsident.

Anzeige

Regierungssprecherin Anke Pörksen erklärte am Freitag, die Landesregierung strebe sogar eine Grundgesetzänderung an: „Wir wollen eine echte Gemeinschaftsaufgabe.“ Dann könne man gleich auch das „unselige Kooperationsverbot kippen“, das bislang dem Bund untersagt, etwa den Ländern in der Schulpolitik zu helfen, weil dies gegen den Gedanken des Föderalismus verstößt.

Eine Änderung des Grundgesetzes hält CDU-Fraktionschef Thümler nur für den (unwahrscheinlichen) Fall für sinnvoll, dass der Bund den Kommunen direkt das Geld überweise – schließlich, argumentiert Thümler, trügen die Kommunen die Hauptlast bei der Flüchtlingsarbeit. Bislang bekommen die Städte und Gemeinden von den Ländern das Geld überwiesen. Ansonsten hält die CDU nichts vom „Zentralismus“ Weils, der die bewährte Aufgabenteilung zwischen Bund und Ländern vermische. Dürr erklärte, mit wöchentlich neuen Vorschlägen spiele Weil nur anderen den Ball zu und lehne sich selbst zurück und warte: „Er muss endlich mal verstehen, dass er kein Kommentator, sondern der Regierungschef Niedersachsens ist.“ Grünen-Fraktionschefin Anja Piel hält Weils Vorschlag, die Integration zu einer Gemeinschaftsaufgabe zu machen, für sehr sinnvoll. Auch das Kooperationsverbot sollte abgeschafft werden.

Michael B. Berger 25.02.2016
Heiko Randermann 27.02.2016
Michael B. Berger 27.02.2016
Anzeige