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Niedersachsen Streit über Kurs gegen Fußballrandale
Nachrichten Politik Niedersachsen Streit über Kurs gegen Fußballrandale
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20:01 18.07.2012
Von Klaus Wallbaum
Gefährliches Feuer: Beim Bundesligaspiel gegen Kaiserslautern warfen Hannover-96-Fans auf der Tribüne mit unerlaubten Knallkörpern. Quelle: Gabriel Poblete Young
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Hannover

Das harte Vorgehen gegen gewaltbereite Fußballfans, das Innenminister Uwe Schünemann (CDU) immer wieder verlangt, behagt SPD, Grünen und Linken überhaupt nicht. Auch seine Fraktion verurteile die Ausschreitungen am Rande von Bundesligaspielen, betonte Klaus-Peter Bachmann (SPD). Aber in der Art, wie der Minister darauf reagiere, liege „populistischer Theaterdonner“. Der Grünen-Politiker Helge Limburg warf Schünemann die „Pflege von Feindbildern“ vor - neben Muslimen seien das die radikalen Fußballfans, Ultras genannt.

Der Streit über das Verhalten von Fußballfans kochte in der aktuellen Landtagsdebatte am Mittwoch hoch. Schünemann hatte betont, die Vereine sollten ihre hohen Einnahmen aus der Vermarktung von Übertragungsrechten dazu nutzen, die Fanprojekte stärker zu finanzieren. Bisher tragen hier Kommunen und Länder zwei Drittel der Kosten. Zugleich betonte der Minister, die Verwendung von Feuerwerkskörpern in den Stadien dürfe nicht mehr toleriert werden. Die Vereine seien gefordert, die Kontrollen zu verstärken. Der CDU-Innenpolitiker Fritz Güntzler forderte härtere Strafen für Fußballfans, die im Stadion leichtfertig mit Pyrotechnik umgehen. „Das muss empfindlich im Geldbeutel zu spüren sein.“ Stärkere Videoüberwachung könne hilfreich sein, die Täter zu identifizieren. Über personalisierte Eintrittskarten müsse man auch nachdenken. Der FDP-Politiker Jan-Christoph Oetjen ergänzte, Randalierer und Krawallmacher sollten „ausgesondert“ werden: „Fußball ist ein Freudenfest, da dürfen Menschen nicht gefährdet werden.“

In der Landtagsdebatte ging es so lebhaft und lautstark zu, dass Parlamentspräsident Hermann Dinkla schon mahnte: „Sie müssen hier nicht ihren Lärmpegel an den in Stadien anpassen.“ Der SPD-Politiker Bachmann hielt Schünemann „Inszenierungen“ vor. Anstatt mit den Vereinen und den Fanprojekten zu reden, rede der Minister nur über sie. Pia Zimmermann (Linke) meinte, der Minister gehe gegen alle Besucher von Fußballspielen vor, die „nicht in die Schablone vom Bratwurstesser“ hineinpassen. Helge Limburg (Grüne) forderte einen „Dialog auf Augenhöhe mit den Fanprojekten“, außerdem solle man lieber über andere Themen im Zusammenhang mit Fußball sprechen - etwa über den Einsatz von Reizgas durch Polizisten oder über ungerechtfertigte Stadionverbote.

Schünemann wies die Vorwürfe zurück. Auch er habe schon mit Vertretern der Ultras geredet, weigere sich aber, den Dialog mit Straftätern zu führen, die verbotene Pyrotechnik einsetzten. Als Bachmann Schünemanns Rede mit fortwährenden Zwischenrufen unterbrechen wollte, rief der Minister ihm zu: „Halten Sie doch mal den Mund“, woraufhin der Landtagspräsident den Minister rügte: „Unangemessen“ sei die Wortwahl des Ministers - allerdings dürfe man Zwischenrufe „auch nicht als Störmanöver einsetzen“.

Klaus Wallbaum 18.07.2012
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