Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen „Monstertrucks“ oder „Ökoliner“?
Nachrichten Politik Niedersachsen „Monstertrucks“ oder „Ökoliner“?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:36 24.01.2014
Von Saskia Döhner
Sind umstritten: Gigaliner auf Niedersachsens Straßen. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Er ist lang, sehr lang – und kommt trotzdem mühelos um die Kurve. Oder um den Kreisel. Sagt jedenfalls Kirsten Willenborg, Sprecherin der Spedition Hellmann. Vier Gigaliner hat das Osnabrücker Fuhrunternehmen derzeit auf der Straße, jeweils mehr als 25 Meter lang und gut 40 Tonnen schwer. Sie transportieren Kartons, Rasierwasser und Autoteile nach Bramsche, Bremen und über Lehrte bei Hannover auch ins bayerische Dingolfing oder Dachau. Selbst das Rückwärtsfahren oder Rangieren im Kreisel sei mit den superlangen Lastwagen – dank moderner Technik – kein Problem, heißt es. Hellmann nimmt schon seit Jahren an Modellversuchen mit Lang-Lkw teil, erst in Niedersachsen und seit 2012 auch an einem fünfjährigen Bundesprojekt. Unfallfrei, wie die Unternehmenssprecherin betont. „Die Ergebnisse sprechen für sich“, sagt Willenborg. „Wir transportieren mehr Ladung mit weniger Fahrzeugen, das senkt den Kraftstoffverbrauch und den Kohlendioxidausstoß.“

Rund 60 Gigaliner fahren derzeit – meist auf Autobahnen – durch Deutschland. Die FDP im niedersächsischen Landtag wünscht sich eine Ausweitung des Feldversuchs und appellierte gestern an die Regierung, ihre „Blockadehaltung gegenüber Ökolinern aufzugeben“. Der Güterverkehr nehme bis 2025 explosionsartig zu, sagte Gabriela König. Auf die Schiene könne nicht alles verlagert werden. Die Bahn stoße schließlich schon jetzt an ihre Kapazitätsgrenze. Sie könne nach Expertenschätzungen sowieso nur gut ein Fünftel des Güterverkehrs aufnehmen und sei bereits bei 16 Prozent.

So gut wie gar nichts sei an den „Ökolinern“ ökologisch, entgegnete Susanne Menge von den Grünen. Die „Monstertrucks“ verstopften Ampelkreuzungen, hätten überlange Bremswege und zerstörten den Straßenbelag. Das FDP-Argument, auch überlange Gelenkbusse kämen in Hamburg oder Osnabrück gut durch die City, ließ Menge nicht gelten: „Gigaliner transportieren Güter, Busse transportieren Menschen.“ Stefan Klein (SPD) sprach sich gegen eine Ausweitung des Streckennetzes aus. Er warnte vor der Lärmbelästigung durch die superlangen Lastwagen.

Karsten Heineking (CDU) forderte von Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD), auf seine Länderkollegen in Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein einzuwirken. Die beiden rot-grün regierten Länder klagen vor dem Bundesverfassungsgericht gegen den Testbetrieb von Lang-Lkw. Die Bundesregierung hatte Gigaliner 2011 mithilfe einer Ausnahmegenehmigung erlaubt, Bundesrat und Bundestag blieben damals außen vor. „Beenden Sie diese Posse, die Klage muss weg“, rief Heineking Lies zu. Niedersachsen werde abwarten, sagte der SPD-Minister. „Ohne statistisch abgesicherte Erkenntnisse fällen wir keine Entscheidung.“ Vor 2017 sei mit einer Auswertung des Feldversuchs aber nicht zu rechnen. Ziel des Landes sei nachhaltige und bezahlbare Verkehrspolitik.

Klaus Wallbaum 23.01.2014
Niedersachsen Gefängnisschließungen in Niedersachsen - JVA in Aurich bekommt eine Schonfrist
22.01.2014
Niedersachsen Landesrechnungshof prüft Heilberufe - Jetzt sind Ärzte und Apotheker dran
Karl Doeleke 21.01.2014