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Niedersachsen Streit um „Ringelschwanzprämie“
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17:11 14.03.2015
Es ist wissenschaftlich noch nicht hinreichend geklärt, welche Faktoren die Landwirte beachten müssen, damit die Schweine mit einem langen Schwanz nicht zum Kannibalismus neigen. Quelle: dpa
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Hannover

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer will Vorreiter sein beim Verzicht auf das umstrittene Kürzen von Schweineschwänzen. Voraussichtlich noch im Lauf des Jahres soll eine Prämie eingeführt werden, die Schweinhalter belohnt, die auf das Kupieren der Schwänze verzichten, heißt es aus dem Ministerium. In einem Entwurf ist von 16 bis 18 Euro pro Tier die Rede. Das Geld soll aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) kommen. Das Programm liegt bei der EU-Kommission zur Genehmigung.

Die Verbände der Landwirte sind allerdings derzeit noch nicht begeistert. Sie sprechen von einem «vorschnellen Ausstieg», befürchten sogar mehr Tierleid. Derzeit sei ein Verzicht aufs Kupieren noch nicht möglich. Er vermisse ein schlüssiges Gesamtkonzept, sagt Torsten Staack, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN).

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Konventionell gehaltene Tiere beißen sich gegenseitig

Das Problem besteht darin, dass im Stall die Schweine dazu neigen, an den Schwänzen ihrer Mittiere zu beißen. Schneidet man den frischgeborenen Ferkeln den Schwanz ab, ist die Gefahr von Kannibalismus in den Tiergruppen deutlich geringer.

Eine neue Studie von Thomas Blaha, Professor an der Tierärztlichen Hochschule Hannover, zeigt: Bei den heute herrschenden Haltungsbedingungen im konventionellen Stall würden sich bis zu 80 Prozent der unkupierten Tiere gegenseitig beißen.

Die ISN verweist auf 20 andere Studien, die in den vergangenen Jahren in Deutschland durchgeführt wurden, die zu ähnlichen Ergebnissen kommen. Es sei wissenschaftlich noch nicht hinreichend geklärt, welche Faktoren die Landwirte beachten müssen, damit die Schweine mit einem langen Schwanz nicht zum Kannibalismus neigen. Vor diesem Hintergrund sei das Kupieren der Schwänze „Tierschutz“, sagt auch das Landvolk.

Stallmanagement neu strukturieren

Allerdings ist das Schwänzekupieren EU-weit schon seit 2001 verboten, es wird von den Behörden strenggenommen nur noch als Ausnahme geduldet.

Aus Sicht von Meyer - und auch von Blaha - ist der Verzicht aufs Schwänzekupieren durchaus möglich, auch in konventionellen Ställen. Allerdings nicht von heute auf morgen, betont der Tiermediziner. Die Landwirte müssten eine neue Form des Stallmanagements erlernen, sie müssten lernen, die Tiere intensiver zu beobachten und auch beraten werden. Eine Vielzahl von Faktoren hat darauf Einfluss, ob die Tiere unruhig, aggressiv, frustriert oder gestresst sind und zum Beißen neigen oder nicht.

Genau diese Begleitung und Beratung fehle im Konzept von Meyer, sagt Staack. Es seien noch viele Fragen offen, das zeige auch die neue Studie von Blaha. Er sehe die Gefahr, dass Landwirte die Prämie sehen und „einfach so“ aufs Kupieren verzichten, ohne die Voraussetzungen mitzubringen. Das Landwirtschaftsministerium widerspricht: Es gehe nicht um ein vorzeitiges Verzichten ohne Rücksicht auf Verluste. „Sondern im Gegenteil: Beratung ist ein Kernaspekt des Projekts“, sagte ein Sprecher.

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