Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Südlink muss neu geplant werden
Nachrichten Politik Niedersachsen Südlink muss neu geplant werden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 21.02.2015
Wo denn nun, was denn nun? In der Bürgerbeteiligung ist ein Wirrwarr der möglichen Trassenverläufe durch die Region Hannover entstanden. Quelle: dpa/Montage
Anzeige
Hannover

Die Bundesnetzagentur bemängelt unter anderem, dass Alternativen zur angedachten Trasse durch die Region Hannover und das Weserbergland nicht detailliert genug bewertet worden seien. Auch seien Auswirkungen auf die Umwelt nicht ausreichend beachtet worden. Das Genehmigungsverfahren dürfte sich damit um mehrere Monate länger hinziehen als ursprünglich vorgesehen.

„Es muss erkennbar werden, aufgrund welcher Belange Korridore entweder für das Verfahren vorgeschlagen werden oder nicht ernsthaft in Betracht kommen“, mahnen die Bundesnetzagentur-Fachleute. Der Antrag von Tennet enthalte nur „einen nachvollziehbar und belastbar hergeleiteten Vorschlag für einen Trassenkorridor“, Alternativen seien hingegen nicht annähernd so akribisch erläutert. Doch selbst bei der Vorzugstrasse vermisst die Bundesnetzagentur Standorte notwendiger Konverter-Anlagen - ein Thema mit Konfliktpotenzial, da die Konverter aus optischen Gründen mindestens so unpopulär sind wie die Leitungen selbst.

Anzeige

Kommentar

„Schlappe für den Netzbauer“

Auf Tennet kommt noch viel Arbeit zu - auch durch eine weitere Forderung der Behörde mit Blick auf Vorschläge von Bürgern: Kämen diese für Tennet in Betracht, müssten sie genauso intensiv analysiert werden wie die Vorzugstrasse.

Bei den Kritikern der Südlink-Trasse wurde der Rüffel der Bundesnetzagentur mit Zufriedenheit aufgenommen: „Wir sehen uns in unserer Kritik durchaus bestätigt. Der Antrag ist grob fehlerhaft“, sagte Tjark Bartels (SPD), Hamelner Landrat und Sprecher mehrerer von Südlink betroffener Kreise. Er forderte einen Neustart bei der Trassensuche. Auch der Burgwedeler Bundestagsabgeordnete Hendrik Hoppenstedt (CDU) begrüßte die Nachfragen der Bundesnetzagentur: „Alle Fakten müssen auf den Tisch, um die Belange abzuwägen und die Alternative mit der geringsten Belastung für Mensch und Umwelt zu wählen.“ Akzeptanz werde das Projekt nur finden, wenn die Entscheidungen transparent gestaltet würden. Das sei Tennet bislang nicht gelungen.

„Nachfragen sind etwas ganz Normales. Es gibt immer Bedarf, bestimmte Details nochmal abzuklopfen“, sagte dagegen eine Tennet-Sprecherin. „Das ist bei einem solchen Projekt nicht ungewöhnlich“, bestätigte ein Sprecher der Bundesnetzagentur. Dass Kritiker sich in den Nachfragen der Agentur wiederfänden, sei kein Zufall: „Wir nehmen die Einwände der Bürger und Kommunen vor Ort sehr ernst.“

Werden Varianten in Hannover neu geprüft?

Mit den Auflagen der Bundesnetzagentur muss Tennet nach Angaben des SPD-Bundestagsabgeordneten Matthias Miersch ziemlich weit an den Anfang der Planungen zurück. „Wir erwarten einen höheren Begründungsaufwand für die Auswahl der Trassenkorridore“, teilt die Agentur mit. „Das heißt, dass Tennet darlegen muss, warum Varianten, die die Region Hannover gar nicht berühren, nicht weiter untersucht worden sind“, sagt Miersch. Dazu zählt beispielsweise eine, die durch den Wolfsburger Raum nach Sachsen-Anhalt führt und von dort Richtung Süden verläuft. Bisher hatte Tennet nur wirtschaftliche Gründe angeführt – diese Trasse wäre länger.

Eine Streckenvariante, die den Westen der Region Hannover berührt, war erst durch die Bürgerbeteiligung aufs Tapet gekommen. Würden dieser und andere Alternativvorschläge Dritter in die Antragsunterlagen aufgenommen, müssten sie nach derselben Vorgehensweise geprüft werden wie die von Tennet selbst ermittelten Korridore, fordert die Netzagentur. In den betroffenen Kommunen sorgt das für Hoffnung. „Die Agentur schiebt alle erhobenen Fragestellungen in den Vordergrund, die Tennet beharrlich mit Schweigen beantwortet hat“, sagt beispielsweise Karsten Vogel, SPD-Fraktionsvorsitzender im Rat der Stadt Garbsen. Unterdessen haben mehrere Bürgerinitiativen eine sogenannte Erdkabeloffensive gestartet.

Von Tarek Abu Ajamieh und Heiko Randermann

Mehr zum Thema

Die vier Garbsener Bürgerinitiativen gegen Südlink haben sich zu einer Initiative zusammengeschlossen. Sie firmieren unter dem Namen „Garbsen gegen Suedlink“.

Bernd Riedel 19.02.2015

Mit relativ guten Nachrichten bezüglich der Stromtrasse Südlink ist Bürgermeister Detlef Schallhorn von einem Treffen mit seinen Amtskollegen aus Berlin zurückgekehrt. Im Für und Wider um den Trassenverlauf haben die Kommunen Zeit gewonnen.

Treeske Hönemann 13.02.2015

In der Diskussion um den Bau der Stromtrasse Südlink fordert Niedersachsens Regierungschef Stephan Weil ein Machtwort von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Der SPD-Politiker reagiert damit auf Äußerungen von CSU-Chef Horst Seehofer, der für Bayern auf ein Veto-Recht bei der Trassenplanung pocht.

10.02.2015
18.02.2015
Niedersachsen Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz - Niedersachsen gegen schärfere Anti-Terror-Gesetze
Karl Doeleke 18.02.2015