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Niedersachsen Suizid eines Klassenlehrers schockt Gymnasium
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21:02 21.12.2009
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Im Rundfunk war zunächst von einem Ausfall der Heizung die Rede. Wenig später wurde aber noch am Montagmorgen öffentlich bekannt, dass die wahre Ursache für den Schulausfall am Roswitha-Gymnasium in Bad Gandersheim (Kreis Northeim) ein Leichenfund war: Ein 49 Jahre alter Lehrer hatte sich dort am Wochenende das Leben genommen und war am späten Sonntagnachmittag von einem Hausmeister und dem Schulleiter entdeckt worden.

Bestürzung, Betroffenheit und Trauer prägten am Montag das Bild an der Schule. Trotz des Unterrichtsausfalls waren viele an den Ort des Geschehens gekommen und tauschten sich aus. Spekulationen fanden bereits am Vormittag durch das Ergebnis der Obduktion schnell ein Ende: Es handele sich zweifelsfrei um einen Suizid, teilten die Polizei in Northeim und die Staatsanwaltschaft in Braunschweig mit. Über die Art, wie der Lehrer sich umgebracht habe, wurde aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes geschwiegen.

Ein Abschiedsbrief liege nicht vor, sagte Staatsanwalt Joachim Geyer. „Ursache war offenbar eine Gemengelage aus privaten, beruflichen und krankheitsbedingten Problemen.“ Der Lehrer für Deutsch, Geschichte und katholische Religion sei in ärztlicher Behandlung gewesen – ob aufgrund von psychischen Problemen, wollte der Sprecher der Ermittllungsbehörde nicht sagen. Auch Mutmaßungen, wonach der erst kurz zurückliegende Tod der Mutter ein Auslöser gewesen sein könnte, kommentierte er nicht. „Hinweise auf Mobbing in der Schule liegen nicht vor“, stellte Geyer jedenfalls klar. Der Studienrat war Anfang August vergangenen Jahres aus Goslar nach Bad Gandersheim gekommen; er lebte in einer kleinen Wohnung in der Nähe des Gymnasiums allein. Frau oder Kinder hatte der 49-Jährige nicht. „Er war relativ allein“, sagte der Staatsanwalt.

Schüler des Deutsch-Leistungskurses, den der Pädagoge geleitet hatte, hängten ein Plakat an das Südportal des Altbaus, auf dem zu lesen stand: „Niemand wird je die wahren Hintergründe kennen, aber muss es erst soweit kommen, damit uns die Augen geöffnet werden ...?“ Ausdruck der Trauer waren auch von Schülern aufgestellte Kerzen und weiße Rosen.

Direktor Hans-Joachim Baade klärte am Montagmorgen mit dem Kollegium, auf welche Weise die Schule das Geschehen aufarbeiten wird. Vor allem eine zehnte Klasse, die der Pädagoge als Klassenlehrer unterrichtete, könne die Hilfe der Schulpsychologin in Anspruch nehmen. Auch am heutigen letzten Schultag vor den Ferien wird am Roswitha-Gymnasium kein normaler Unterricht stattfinden. Nach Angaben des Kultusministeriums in Hannover kümmern sich mehrere Psychologen und möglicherweise ein Notfallseelsorger um die Schüler. Fragen werden auf jeden Fall bleiben.

von Rudolf A. Hillebrecht 
und Gabriele Schulte