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Niedersachsen Synode verabschiedet Margot Käßmann
Nachrichten Politik Niedersachsen Synode verabschiedet Margot Käßmann
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20:30 02.06.2010
Von Michael B. Berger
Zwei Reden, ein Blumenstrauß: Synodenpräsident Jürgen Schneider verabschiedet Margot Käßmann. Quelle: Rainer Surrey
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Diesmal ist vieles anders bei der Frühjahrssynode der hannoverschen Landeskirche. Da, wo sonst Kaffee und Butterkuchen aufgetischt wird, im Foyer des Henriettenstiftes, ist eine „Erlebnisausstellung ambulante Pflege“ aufgebaut, wie Synodenpräsident Jürgen Schneider meint. Und dort, wo seit zehn Jahren immer Landesbischöfin Margot Käßmann saß, hockt Bischofsvikar Hans-Herrmann Jantzen. Erst im November wird dieser Stuhl neu besetzt – und Margot Käßmann wird keinesfalls erneut darauf Platz nehmen.

Das hat sie am Mittwoch unmissverständlich klargemacht. Und viele in der Synode haben eine solche Klarstellung auch erwartet, wie bereits die angestrengte Freundlichkeit zeigt, mit der Käßmann empfangen wird. Auf den Zuschauerbänken springen einige Frauen auf, als die frühere Bischöfin über einen Seitengang den schmucklosen Saal betritt. Die Synodalen hingegen bleiben sitzen, noch rührt sich keine Hand zum Beifall – im Gegenteil: „Wir machen einfach mal unseren Synodenalltag und lassen uns nicht stören“, sagt der Synodenpräsident. „Ich meine die Fotografen“, sagt Schneider, damit gar nicht erst der Eindruck aufkommt, die Bischöfin a. D. störe den Gang der Dinge: „Wir machen das wie immer, zwei Reden, dazwischen ein Blumenstrauß.“

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Zwei Reden, ein Blumenstrauß. So endet die Karriere Margot Käßmanns vor der Landessynode. Dennoch wird es noch eine würdige Veranstaltung. Das liegt daran, dass die Reden – so unterschiedlich sie auch sind – authentisch wirken. Der Zufall will es, dass Margot Käßmann vor exakt elf Jahren, ja fast zur gleichen Stunde, den Mitgliedern des Kirchenparlaments als mögliche Nachfolgerin Horst Hirschlers vorgestellt wurde. „Du, Margot, saßest damals vor demselben Vorhang“, erinnert Schneider. Und Käßmann holt einmal tief Luft. Ausführlich würdigt der Präsident die knapp elf Jahre, in denen sie der Kirche vorstand. Sie habe der Kirche ein „frisches, junges, weibliches Gesicht gegeben“, sagt er der Frau, die in ihrem schwarz-weißen Kostüm aussieht wie Coco Chanel. „Du hast dich mit deiner ganzen Person eingebracht, du hast dir viel zugetraut und zugemutet, auch über die Kräfte. Und du hast uns manches zugemutet – und wir dir auch.“ Ihre Zeit als Landesbischöfin sei sehr wichtig und wertvoll gewesen gewesen. „Wir können nicht mehr hinter den Juni 1999 zurück.“ Als Schneider nach diesem klaren Wort anfügt, sie bleibe „Bischöfin der Herzen“, stehen die Synodalen erstmals auf und applaudieren.

Käßmann selbst bedankt sich für den Vertrauensvorschuss, den sie in Hannover bekommen habe, erinnert an Expo oder den Kirchentag 2005 in Hannover. Sie redet davon, dass es sinnvoll sein kann, kirchliche Führungsämter auf zehn Jahre zu begrenzen, wie es die Synode tut. Und dann kommt sie auf die Frage zu sprechen, die Werner Massow vom Mitarbeitervertretungsverband aufgeworfen hat, als er sie vor Kurzem zu einer zweiten Kandidatur aufforderte. „Hätte ich meine möglichen Dienstjahre vollgemacht, wären es 27 geworden, und manch einer hätte sicher zu seufzen begonnen: Gibt es nicht mal was anderes als Käßmann im Amt? Dem ist nun ein Ereignis zuvorgekommen oder in den Weg, das ich nicht weiter kommentieren muss, das mich aber zum Rücktritt veranlasst hat.“ Sie meint die Fahrt mit 1,53 Promille. Einige, sagt Käßmann weiter, hätten sie vom Rücktritt abzuhalten versucht. „Aber auch mehr als drei Monate später denke ich, es war die angemessene und damit richtige Entscheidung.“ Sicher, die Initiative der Mitarbeitervertretung sei für sie überraschend und auch ein „sehr anrührendes Zeichen von Wertschätzung, Vertrauen und Zuneigung“ gewesen. „Nach einigem Nachdenken ist mir aber deutlich: das würde nicht gut gehen. Du kannst nicht in ein Amt zurückkehren, von dem du selbst zurückgetreten bist.“

Zum Schluss der Rede steht die Synode noch einmal auf. Käßmann verlässt den Saal – und steigt noch einmal in den Phaeton mit dem Kennzeichen H-LB 499 und fährt vom Hof.