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Niedersachsen Herr Meier geht auf die Barrikaden
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00:15 01.09.2013
Von Saskia Döhner
 „So nicht, Rot-Grün“: Lehrer aus allen Landesteilen sind am Donnerstag nach Hannover gekommen, um gegen die Sparpläne der Regierung zu protestieren. Quelle: Dröse
Hannover

Sie kommen aus Bad Bentheim, Emden, Winsen/Luhe und Lüchow. Sie unterrichten an Grundschulen, Berufsbildenden Schulen, Gymnasien, Gesamtschulen und Förderschulen. Und sauer sind sie alle. Tausende Lehrer sind am Donnerstag nach Hannover gefahren, um gegen die Sparpläne von Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) zu protestieren. Die Veranstalter sprechen von mehr als 10.000 Teilnehmern, die Polizei von rund 8000.

Ihr Widerstand richtet sich gegen die geplante höhere Arbeitszeit. Die Landesregierung hatte bei ihrer Kabinettsklausur im Juli beschlossen, dass die Gymnasiallehrer von August 2014 an statt 23,5 nun 24,5 Stunden in der Wochen unterrichten sollen. Zudem sollen Altersermäßigungen für Lehrer ab 55 Jahren an allen Schulformen erst mal ausgesetzt werden. Einmal mehr fühlen sich die Pädagogen jetzt um ihre Überstunden betrogen. „Wortbruch“ steht auf den Plakaten, und „Lügen haben rot-grüne Beine“.Klammheimlich, mitten in den Sommerferien, seien die Beschlüsse gefallen, kritisieren die Demonstranten.

Mit Spruchbändern und Trillerpfeifen demonstrieren Lehrer derzeit in der Innenstadt gegen die neuen Pläne der Landesregierung. Im Vorfeld waren 5000 Lehrer für die Demo am Donnerstagnachmittag erwartet worden.

 Wenn es um ihre Arbeitszeit geht, sind Lehrer empfindlich. Schließlich sind sie gebrannte Kinder. Schon einmal hatte man ihnen den Ausgleich der Überstunden nicht zugestehen wollen. 2008 hatte sich die damalige Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU) mehr als 11.000 demonstrierenden Lehrern gegenüber gesehen.

Fünf Jahre später sind wieder Tausende vor das Kultusministerium gekommen. Bei manchen ist die Enttäuschung groß: „Dass ausgerechnet die Parteien, die im Wahlkampf angekündigt haben, Bildung als höchstes Gut anzusehen, sich jetzt so verhalten, hätte ich nicht gedacht“, sagt eine Mittfünfzigerin. Sie sei enttäuscht und wütend: „Uns ist immer ein bisschen mehr aufgehalst worden, und alles darf nichts kosten.“

Dabei war es doch eine SPD-Ministerin, die seinerzeit versprochen hatte, dass die Arbeitszeit so lange nicht erhöht werde, so lange die Lehrer ihre angesammelten Überstunden ausgleichen würden. Jetzt will eine SPD-Ministerin ältere Lehrer im Allgemeinen und Gymnasiallehrer länger arbeiten lassen. „War doch klar“, sagt ein Gymnasiallehrer aus Emden, „dahinter steckt eine ideologische Politik gegen die Gymnasien“.

Unterricht sei wegen der Demonstration nicht ausgefallen, versichern die Pädagogen, während sie vor dem Kultusministerium Rasseln im Rot der Lehrergewerkschaft GEW schwingen oder in grüne Trillerpfeifen blasen, die der Philologenverband verteilt hat. Entweder seien die Stunden von Vertretungslehrern übernommen worden, heißt es, oder der Unterricht werde an Nachmittagen in der nächsten Woche nachgeholt. „Ich habe meinen Oberstufenkurs am Montag dann eben nicht nur bis zur achten, sondern bis zur zehnten Stunde“, sagt eine junge Lehrerin aus Winsen/Luhe.

Einige Schulen haben ausnahmsweise auch am Sonnabend Unterricht erteilt. Die eine oder andere Arbeitsgemeinschaft dürfte aber doch ausgefallen sein. So wie an einem Gymnasium in der Nähe von Lüneburg. „Herr Meier geht heute auf die Barrikaden“, hatte ein Schüler an seine Klassenkameraden per Facebook gepostet.

Durch die Mehrarbeit der Lehrer fließen nach Angaben des Kultusministeriums rund 80 Millionen Euro mehr in den Bildungsetat, die dringend benötigt würden, etwa für den Ausbau der Ganztagsschulen. Die Mehrarbeit sei zumutbar und vertretbar, hatte Kultusministerin Frauke Heiligenstadt gesagt. „Wer das behauptet, hat keine Ahnung, was an den Schulen passiert“, ruft Horst Audritz, der Vorsitzende des Philologenverbandes, vor dem Landtag in ein Meer von Protestflaggen.
45, 50 Stunden in der Woche seien die Regel, sagt eine Biologielehrerin aus Wolfsburg: „Ich unterrichte schon jetzt 332 Schüler.“

Eine Stunde mehr Unterricht bedeute eine Klasse mehr, 27 bis 30 Klassenarbeiten mehr zu korrigieren, mehr Elternabende, mehr Einzelgespräche. Dafür müsste dann anderes wegfallen, was für das Schulleben eigentlich genauso wichtig sei: Arbeitsgemeinschaften, Klassenfahren, Projektwochen.

GEW-Vorsitzender Eberhard Brandt versucht in seiner Rede den Spagat, die Regierung gleichzeitig zu loben, etwa für den Ausbau der Ganztagsschulen, und zu kritisieren (für die Mehrarbeit). Die Botschaft der Masse der Demonstranten ist einfacher: „So nicht, Rot-Grün“, skandieren sie. „Kämpft weiter“, appelliert Philologenchef Audritz an die Protestler. „Morgen früh geh ich erst mal wieder unterrichten“, sagt ein junger Berufsschullehrer aus Hannover.

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