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Niedersachsen Grüne fordern Tempo 100 auf A2
Nachrichten Politik Niedersachsen Grüne fordern Tempo 100 auf A2
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00:19 24.01.2019
Geht es nach den Grünen, soll auf der A2 zukünftig ein Tempolimit von 100 Stundenkilometern eingeführt werden. Quelle: dpa
Hannover

Der Vorschlag, auf Autobahnen eine generelle Höchstgeschwindigkeit einzuführen, stößt in Niedersachsen auf ein geteiltes Echo. Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU) sprach sich am Montag gegen starre Tempolimits aus. Dagegen erhofft sich das SPD-geführte Innenministerium von einem solchen Schritt positive Effekte. Derzeit prüft eine Regierungskommission, wie Deutschland seine Klimaziele erreichen kann. Ein Tempolimit von 130 Stundenkilometern auf Autobahnen könnte dabei eine Option sein, um den Ausstoß an Kohlendioxid zu senken.

„Wir setzen auf flexible Regelungen durch automatische Verkehrsbeeinflussungsanlagen“, sagte Althusmann der HAZ. Das diene dem Umwelt- und Klimaschutz und der Verkehrssicherheit. Bei hoher Verkehrsdichte, wie im Großraum Hannover häufig auf der A 2, würden automatisch Beschränkungen auf 120 Stundenkilometer oder niedriger geschaltet. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte das Gedankenspiel der Kommission zuvor als „gegen jeden Menschenverstand“ bezeichnet.

Das niedersächsische Innenministerium verweist darauf, dass ein Tempolimit die Sicherheit erhöhe: „Durch eine durchgängige Geschwindigkeitsbegrenzung kann der Verkehrsfluss zum Teil harmonisiert werden, sodass es zu einer Verringerung des Risikos von Auffahrunfällen kommt“, sagte ein Sprecher von Minister Boris Pistorius. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) wiederum meinte, die Realität auf den vollen Straßen habe die Diskussion überholt: „Ich fahre viel auf deutschen Autobahnen“, sagte er. „Nach meinen Erfahrungen gibt es de facto fast bei keiner Fahrt mehr eine Durchschnittsgeschwindigkeit von mehr als 130 km/h.“

Grüne für Tempo 100 auf der A 2

Den Grünen geht der Tempo-130-Vorschlag nicht weit genug. „Auf der Autobahn 2 sollte in Niedersachsen durchgängig 100 als Höchstgeschwindigkeit gelten“, sagte ihr verkehrspolitischer Sprecher Detlev Schulz-Hendel am Montag in Hannover der HAZ. Das könnte auf dieser besonders gefährlichen Autobahn erheblich dazu beitragen, dass dort weniger Unfälle passierten.

Ein niedersächsischer Vertreter im Lenkungskreis der Kommission „Zukunft der Mobilität“ ist Olaf Tschimpke aus der Region Hannover. Der Bundesvorsitzende des Naturschutzbundes Nabu bedauerte, dass ein noch nicht einmal ihm vorliegender, noch gar nicht offizieller Vorschlag möglicherweise nun vorzeitig zerredet werde. „Sofort setzen wieder die üblichen Reflexe ein“, sagte er der HAZ. Der Nabu setze sich seit Langem für Tempolimits ein, da sie einen –wenn auch überschaubaren –Beitrag zum Klimaschutz leisteten. „Das kann aber nicht die alleinige Lösung sein“, hob Tschimpke hervor. Wenn etwa die Autoindustrie immer größere Autos baue, belaste das die Umwelt erheblich.

Vom einprägsamen Slogan „Freie Fahrt für freie Bürger“ hat sich selbst der ADAC verabschiedet, der damit vor mehr als 40 Jahren erfolgreich gegen Geschwindigkeitsbeschränkungen kämpfte. „Damals hatten wir noch nicht diese Verkehrsmengen und diese Belastung“, sagte Christine Rettig, Sprecherin des ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt. Eine verringerte Geschwindigkeit trage tatsächlich dazu bei, dass weniger Schadstoffe in die Luft gelangten, ergänzte sie. Dies solle man aber dem Einzelnen überlassen: „Wir wünschen uns statt Verboten Anreize, damit Autofahrer sich etwa für alternative Antriebe entscheiden.“

In dieser Karte sehen Sie, welche Tempolimits in anderen Ländern gelten:

Auch Kirche für Tempolimit

Die Gewerkschaft der Polizei in Niedersachsen spricht sich dafür aus, die Autobahnen flächendeckend mit Verkehrsbeeinflussungsanlagen auszustatten, damit Tempo 130 mittel- bis langfristig dort zur Regel wird. „Gerade in Niedersachsen mit seinen vielen Autobahnkilometern und den wichtigen Ost-West- und Nord-Süd-Verbindungen A1, A2 und A7, die ein hohes Verkehrsaufkommen mit sich bringen, ist das wichtig“, sagte Landesvorsitzender Dietmar Schilff. Mit solchen Anlagen könnten Tempobeschränkungen bedarfsgerecht der aktuellen Verkehrslage angepasst und Akzeptanz beim Verkehrsteilnehmer erreicht werden. Im verkehrspolitischen Programm der GdP auf Bundesebene wird gefordert, bis zu einer entsprechenden Ausstattung des kompletten Streckennetzes die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf 130 km/h zu begrenzen.

Auch die Kirche hat sich in die aktuelle Klimadiskussion eingeschaltet. Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland will zum Beginn der Fastenzeit am 6. März eine Petition für ein generelles Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen beim Bundestag einreichen. In Hannover kündigte Landesbischof Ralf Meister am Montag auf Anfrage an, die Landeskirche werde das Thema mit den vier weiteren evangelischen Kirchen in Niedersachsen besprechen.

Von Gabriele Schulte

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