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Niedersachsen Verfassungsschutz verhindert offenbar Anschlag
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00:15 18.02.2015
Zahlreiche Straßen in Braunschweig waren am Sonntag gesperrt. Quelle: dpa
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Braunschweig

Aus „zuverlässigen Staatsschutzquellen“ sei bekanntgeworden, dass „eine konkrete Gefährdung durch einen Anschlag mit islamistischem Hintergrund“ auf den Braunschweiger Altstadtmarkt vorliege, erklärte Braunschweigs Polizeipräsident Michael Pientka. Nach Informationen dieser Zeitung bekam der Verfassungsschutz am Sonnabendabend den Hinweis. Was genau geplant war, wissen die Ermittler nicht. „Die konkrete Art der Ausübung ist uns nicht bekannt“, sagt Pientka.

Vor dem Hintergrund auf die Anschläge in Kopenhagen am Wochenende sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Sonntag, die Gefährdungslage in Deutschland sei „unverändert hoch“. In Braunschweig hätten die Behörden bereits am Sonnabend gegen 22 Uhr die Hinweise erhalten und daraufhin gründlich geprüft. Die Veranstalter hatten am Sonntag bis zu 250 000 Besucher des Umzugs erwartet. 4500 Karnevalisten sollten aktiv dabei sein. Rund 100 Motivwagen standen zum Start bereit.

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Der Karnevalsumzug in Braunschweig ist kurz vor dem Start wegen Hinweisen auf mögliche Anschläge abgesagt worden. Ein Blick in die leeren Straßen der Innenstadt.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat ihre Ermittlungen wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat noch am Sonntag an die für Terrorismus in Niedersachsen zentral zuständige Staatsanwaltschaft Hannover abgegeben. Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz (Grüne) erklärte, die Justiz werde alles dafür tun, die Hintergründe aufzuklären. Festnahmen gab es bis Sonnatagabend nicht.

Rückblick

Die Tag in Braunschweig zum Nachlesen im Live-Ticker.

Die Absage des Karnevals löste Bestürzung in Niedersachsen aus. „Ein positives Großereignis sollte offenbar Ziel verblendeter Terroristen werden“, sagte am Abend Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD). Seine immer wieder geäußerte Einschätzung, dass sich die Bedrohung durch islamistischen Terrorismus jederzeit konkretisieren könne, sei eingetroffen. „Es tut mir Leid für die Karnevalisten in Braunschweig, aber Sicherheit muss vorgehen“, erklärte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD).

Anders als in Braunschweig feierten andernorts Hunderttausende Menschen Karneval: Allein in Wiesbaden kamen 400 000 Menschen zum Umzug. In Frankfurt am Main waren es rund 330 000. Am Rosenmontag werden heute auch in Mainz, Düsseldorf und Köln viele Menschen bei den traditionellen Straßenumzügen erwartet. Sie sollen stattfinden. Aus den Innenministerien in NRW und Rheinland-Pfalz hieß es, es gebe keine konkreten Hinweise auf Bedrohungen. Die Polizei sei sensibilisiert.

Von Jörn Kießler und Karl Doeleke

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