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Niedersachsen Tierschützer prangern Wachteleifirma an
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00:20 12.04.2019
„Bodenhaltung“? Der Landkreis Vechta meint: Ja Quelle: Deutsches Tierschutzbüro
Hannover

Wachteleier gelten als besondere Delikatesse – auch weil sie mit ihrer gefleckten Schale „wild“ anmuten. Doch produziert werden sie unter ähnlichen Bedingungen wie Hühnereier, und oft in hoher Stückzahl. Diese Massenproduktion ist in den Augen des Vereins Deutsches Tierschutzbüro in Berlin anstößig. Die Organisation prangert jetzt einen Hof im Landkreis Vechta an, weil dieser Eier von Wachteln produziere, die in Käfigen gehalten werden.

Die Eier würden in Supermärkten fälschlicherweise als Produkte aus der „Bodenhaltung“ angegeben, obwohl die Wachteln in Käfigen gehalten werden. Der Landkreis Vechta als oberste Aufsichtsbehörde widerspricht. Die Wachteln würden „tierschutzgerecht“ gehalten.

Heimlich Wachteln im Käfig gefilmt

Nach Angaben von Jan Peifer, Vorsitzender des Tierschutzvereins, habe man vor knapp drei Wochen den Betrieb besucht – getarnt als Abgesandte einer Firma, die am Kauf großer Mengen von Wachteleiern interessiert sei. Der Betrieb hat etwa 10.000 Wachteln in mehreren Anlagen. Mit einer versteckten Kamera habe man „erschreckende“ Aufnahmen gemacht. So hätten die Tiere verhaltensgestört gewirkt, auch sei es zwischen den Zwerghühnern zum sogenannten Federpicken gekommen. Zudem habe man einige verletzte Tiere gesehen, berichtet Peifer. Dass der Tierhalter für seine Wachteln auch noch Bodenhaltung reklamiert, ist für den Tierrechtler ein Fall von „Verbraucherbetrug“, denn die Tiere würden schließlich in Käfigen gehalten. Seine Organisation hat Strafanzeige erstattet.

Das ist das Deutsche Tierschutzbüro

Der Verein Deutsches Tierschutzbüro kämpft nach eigener Aussage für die Rechte von Tieren. Die Organisation propagiert dabei einen Lebensstil der komplett auf tierische Produkte verzichtet. Im vergangenen Jahr hatte der Verein Missstände in zwei niedersächsischen Schlachthöfen angeprangert. In einem Betrieb in Oldenburg sollen Rinder gequält worden sein. Er wurde geschlossen und sollte neu organisiert werden. Kritik zog der Verein auf sich, als er einen Reporter der Zeitschrift „Land und Forst“ von einer Pressekonferenz aussperrte.

Aufsicht über den Betrieb führt der Landkreis Vechta und dessen Veterinäre. Sie widersprechen den Tierrechtlern. „Bei der Haltung der Wachteln handelt es sich um eine tierschutzgerechte Haltung“, schreibt der Landkreis nach langer Bedenkzeit. Da es für die Haltung von Legewachteln keine konkreten gesetzlichen Regelungen gebe, habe man sich bei der Einstufung der Haltungsform am Paragrafen 13a der Tiernutzungsverordnung orientiert. Der bezieht sich auf die Bodenhaltung von Legehennen. Er schreibt für die einzelnen Sektionen (innerhalb der Käfige) bestimmte Einstreu- und Scharrbereiche vor. „Zudem gibt es Unterschlupfmöglichkeiten, die das natürliche Schutz- und Deckungsbedürfnis der Wachteln befriedigen.“

Ministerium: Begriff „Bodenhaltung“ ist nicht zulässig

Aus Sicht des Landwirtschaftsministeriums ist allerdings eine Kennzeichnung von Wachteleiern als „Eier aus Bodenhaltung“ lebensmittelrechtlich nicht zulässig. Für die Haltung von Wachteln gebe es keine speziellen Rechtsvorgaben, anders als bei Hühnern. Vermarktungsnormen für Eier bezögen sich nur auf Hühnereier, so eine Sprecherin.

Edeka nimmt Eier vorläufig aus dem Programm

Die Lebensmittelkette Edeka wird vom Tierschutzbüro ebenfalls angeprangert. Sie vertrieb die Eier in einigen regionalen Filialen und hatte wegen der 2018 vorgenommenen Einstufung des Betriebes, keinerlei Anlass gesehen, an der ordnungsgemäßen Kennzeichnung der Eier zu zweifeln. „Aufgrund der aktuellen Hinweise haben wir aber umgehend Konsequenzen gezogen und den Betrieb vorläufig für die Belieferung unserer Märkte gesperrt“, sagt Unternehmenssprecherin Alexandra Antonatus am Dienstag. Man fordere die Behörden auf, die Vorwürfe umgehend zu klären.

Der Betrieb selbst sieht sich als Opfer einer „Intrige“. Man produziere seit Generationen „sauber“ und habe sich das mehrmals zertifizieren lassen, heißt es in der Firma. Dies werde auch der Landkreis bestätigen. Dass auf den Eierkartons Küken im Stroh auf einer grünen Wiese gezeigt werden, sei wie bei der Osterhasen-Werbung einer Schweizer Edelschokoladenfirma, meint einer in Goldenstedt: „Da sieht man auch Großmütter in Schürzen die Schokolade anrühren, doch die Wirklichkeit sieht anders aus.“

Auch eine Firma in Lübeck angeprangert

Das Tierschutzbüro hat neben dem Betrieb in Vechta auch noch einen Betrieb in Lübeck aufgesucht, in dem 2000 Wachteln in einer 20 Jahre alten Käfiganlage gehalten werden würden. Ein Käfig enthalte 15 Wachteln, sie könnten sich kaum aufrichten. Der Pächter habe bereits Probleme mit den örtlichen Veterinärbehörden. Auch in einem weiteren Betrieb in Buckow bei Luckau im Spreewald habe man „erschreckende“ Aufnahmen gemacht. Die Tierrechtsorganisation empfiehlt den Konsumenten, zu Ostern überhaupt keine Eier zu kaufen, sondern vegan zu leben.

Von Michael B. Berger

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