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Niedersachsen Über 50-Jährige haben kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt
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13:36 05.06.2013
Von Alexander Dahl
Foto: Über 50-Jährige haben kaum Chancen auf Jobs. Das ergab eine Auswertung des bundesweiten Programms "Perspektive 50plus".
Über 50-Jährige haben kaum Chancen auf Jobs. Das ergab eine Auswertung des bundesweiten Programms "Perspektive 50plus". Quelle: dpa (Archiv)
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Hannover

Das Programm hat sich eine Verbesserung der Aussichten für ältere Erwerbslose zum Ziel gesetzt. Bei der Integration von Arbeitslosen im Alter von 50 bis 64 Jahren blieb die sogenannte „nachhaltige Integration“, also eine Beschäftigung von mehr als sechs Monaten Dauer, aber sehr schwach: Lediglich 16 Prozent konnten sich länger als ein halbes Jahr im neuen Beschäftigungsverhältnis halten; der Rest musste vorher wieder ausscheiden. Dieses Ergebnis überrascht um so mehr, da die überwiegende Mehrzahl der im Programm Geförderten nur zwischen 50 und 55 Jahre alt war.

„Die Diskrepanz zwischen Sonntagsreden und tatsächlicher Einstellungspraxis der Arbeitgeberseite, die die älteren Menschen einfach links liegen lässt, ist erheblich – allen Rufen nach Fachkräften zum Trotz“, sagt die Grünen-Politiker Brigitte Pothmer, die die aktuellen Zahlen beim Bundesarbeitsministerium abgefragt hat. Obwohl rund 60 Prozent der Teilnehmer am Programm „Perspektive 50plus“ eine abgeschlossene Berufsausbildung, einen Meisterbrief oder gar ein Hochschuldiplom haben, waren sie zwischen 2003 und 2013 etwa 4,5 Jahre arbeitslos. Etwa zehn Prozent hatten sogar nie eine Beschäftigung gefunden.

Der Misserfolg des Bundesprogramms ist kein Einzelfall. Auch die aktuellen Daten der Bundesagentur für Arbeit belegen, dass über 50-Jährige kaum eine Chance auf einen Job haben. Während die Zahl der Arbeitslosen generell sinkt, stieg die Zahl derer, die älter als 50 sind, im April dieses Jahres an. Mehr als 45 Prozent dieser Jobsucher sind langzeitarbeitslos, also mehr als zwölf Monate ohne Beschäftigung. Bei jüngeren Arbeitslosen liegt dieser Wert nur bei 35 Prozent. Ältere Arbeitslose benötigen zudem länger als ein Jahr, um eine Anstellung zu finden, jüngere nur etwa neun Monate.

Und wenn ältere Menschen doch aus der Arbeitslosenstatistik der Bundesagentur für Arbeit herausfallen, dann sehr oft durch ein Umbuchen in die „Nichterwerbstätigkeit“ – also vorruhestandsähnliche Regelungen oder vorzeitige Rente. Seit Beginn dieses Jahres sind zwar etwa 645.000 Arbeitslose über 50 Jahren offiziell nicht mehr arbeitslos – doch nur 29 Prozent davon konnten tatsächlich eine neue Stelle finden. „Viel zu viele arbeitslose Ältere befinden sich auf dem arbeitsmarktpolitischen Abstellgleis. Sie werden von den Unternehmen abgeschrieben und so fühlen sie sich auch“, sagt die Grünen-Politikern Pothmer. Wenn Deutschland seinen Fachkräftemangel auf Dauer beseitigen wolle, gehe das nur, wenn in Zukunft mehr Ältere eine Chance auf Beschäftigung erhielten.