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Niedersachsen Überm Vogelpark kreist der Pleitegeier
Nachrichten Politik Niedersachsen Überm Vogelpark kreist der Pleitegeier
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14:49 12.03.2009
Von Heinrich Thies
Auge in Auge: Tierpfleger German Alonso und Kaiseradler-Frau Olga im Vogelpark Walsrode, der tief in den roten Zahlen steckt und nach einem Zukunftskonzept sucht. Ein Rummelplatz dürfe daraus nicht werden, meint der zoologische Direktor Simon Jensen (Mitte). Quelle: Blüher
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Während der Bartkauz in der Uhu-Burg eine Maus verdrückt, zeigt der Kondor unter freiem Himmel seine Flugkünste.

Ein Tier aber stiehlt derzeit allen andern die Show: Über dem größten Vogelpark der Welt kreist der Pleitegeier. Der Privatzoo in der Heide steckt so tief in den roten Zahlen, dass schon das Geld für Strom und Wasser und die Gehaltszahlungen für die rund 95 Mitarbeiter fehlt. Auf rund zehn Millionen Euro summieren sich die Kredite allein bei der Kreissparkasse Walsrode. Aus eigener Kraft wird der international renommierten Privatzoo aus dieser Schuldenfalle nicht herauskommen. Denn es fehlt vor allem an zahlenden Besuchern. „Wir brauchten 330 000 Besucher pro Jahr, um über die Runden zu kommen“, sagt Vogelpark-Geschäftsführer Michael Hahnke. „2008 waren es nur 280 000.“

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Der Park ist nicht nur ein wichtiger Arbeitgeber, sondern Herzstück des Heidetourismus. Nicht umsonst bezeichnet sich die Region um Walsrode als „Vogelpark-Region“. Die angrenzenden Kommunen gingen daher ungewöhnliche Wege. Walsrode und Bomlitz erklärten sich bereit, den Park notfalls in kommunaler Trägerschaft weiterzuführen. Die Gemeinde Bomlitz stellte bereits einen Antrag auf EU-Fördermittel. Rund 16 Millionen Euro wären nötig, um den Park wieder in Schwung zu bringen. Ein Höhen- und Erlebnispfad soll es den Besuchern zum Beispiel gestatten, die 24 Hektar große Anlage mit den vielen Rosen- und Rhododendronsträuchern aus der Vogelperspektive zu betrachten.

Der Antrag auf Förderung liegt schon seit Mitte Januar im Wirtschaftsministerium. Denn das Land müsste sich an der Förderung beteiligen. Wirtschaftsminister Philipp Rösler hat sich zwar grundsätzlich bereit erklärt, den Walsrodern zu helfen, erwartet aber nach den Worten seines Sprechers ein „schlüssiges und tragfähiges Konzept“. Und in dieser Hinsicht räumt sogar die antragstellende Gemeinde Nachholbedarf ein.

„Es hat nie eine systematische Erhebung zum Besucherpotenzial gegeben“, sagt der Bomlitzer Bürgermeister Michael Lebid (SPD). Schließlich stand der 1962 von einem Walsroder Kaufmann gegründete Vogelpark schon im Jahre 2000 vor der Pleite. Damals übernahm der Hamburger Wirtschaftsprüfer Robert Ahrens den Park. Derzeit ist Ahrens bemüht, ein belgisches Gartenbauunternehmen ins Boot zu holen. Der interessierte Investor soll an der Vogelpark GmbH schon Anteile im Wert von 300 000 Euro erworben haben, sodass der Zoo den Mitarbeitern einen Teil der ausstehenden Gehälter zahlen konnte. Jetzt verhandeln die Belgier mit Ahrens und der Kreissparkasse über eine weiterreichendere Beteiligung.

Der Bomlitzer Bürgermeister ist nicht sehr beglückt darüber. „Erst sind sie den Kommunen hinterhergerannt, und jetzt sind wir außen vor“, klagt Lebid. „Ich bezweifle, dass der neue Investor die Zukunft des Parks sichern kann.“ Zudem fürchtet der Bürgermeister, dass es schwerer wird, an die Fördermittel zu kommen. Denn die hohe EU-Förderung wird nur an Einrichtungen gezahlt, die mindestens zu 51 Prozent von der öffentlichen Hand getragen werden.

Keinesfalls, da sind sich die Mitarbeiter einig, soll der Vogelpark zum Rummelplatz werden. „Davon gibt es genug“, findet der zoologische Direktor Simon Jensen. In der Tat befindet sich der Vogelpark in einer Region mit der höchsten Freizeitparkdichte Deutschlands. Der Heide-Park Soltau, Snowdome und Center Parc in Bispingen und Serengeti-Park Hodenhagen sind ganz nahe. Übernachtungsgästen bietet sich so ein breites Kontrastprogramm.

Der Vogelpark lebt auch von dem Austausch mit der freien Natur. Die Störche zum Beispiel haben fast immer Besuch von frei lebenden Artgenossen. Auch Eisvögel sollen künftig aus der Wildnis in den Park gelockt werden – aber wichtiger ist natürlich, dass die zahlenden Besucher kommen.