Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Umweltminister Sander denkt über sein Ausscheiden nach
Nachrichten Politik Niedersachsen Umweltminister Sander denkt über sein Ausscheiden nach
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:01 12.04.2011
Von Michael B. Berger
Minister Hans-Heinrich Sander lässt sich nicht einfach vom Hof jagen.
Minister Hans-Heinrich Sander lässt sich nicht einfach vom Hof jagen. Quelle: dpa
Anzeige

Unter Deutschlands Umweltministern gilt der Niedersachse Hans-Heinrich Sander als Unikum. Für Ökopazifisten ist der Freidemokrat aus dem Weserbergland ein rotes Tuch, in seiner eigenen Partei jedoch sehr beliebt, auch bei Bauern und Jägern. Im Landtag hat es schon so viele Rücktrittsforderungen der Opposition gegen ihn gegeben, dass der 65-Jährige vor der Entlassung geradezu gefeit scheint. Doch jetzt denkt der gelernte Landwirt, der sich nie einfach vom Hof jagen lassen wollte, erstmals tatsächlich an einen geordneten Rückzug. Im Falle der Wahl seines Staatssekretärs Stefan Birkner zum künftigen FDP-Landesvorsitzenden würde er beiseite treten – um Birkner zu helfen. „Da gäbe es Überlegungen, in diesem Fall mein Ministeramt zu opfern“, bestätigte Sander dieser Zeitung.

Noch, fügte er rasch hinzu, sei dieser Fall aber nicht eingetreten. Von dem früheren Staatsanwalt und Richter Stefan Birkner, der seit 2008 beamteter Staatssekretär im niedersächsischen Umweltministerium ist, hält Sander außerordentlich viel. „Er denkt strategisch, ist stets an der Sache orientiert, äußert sich besonnen und ist zudem noch bienenfleißig – nur so emotional wie ich ist er nicht“, sagt der Minister. Er weiß, dass ein beamteter Staatssekretär zur Objektivität verpflichtet ist und keinesfalls FDP-Landeschef werden kann. Sollte Birkner dies werden, müsste der Minister seinen Staatssekretär entlassen oder ihm das eigene Büro anbieten. „In so einem Fall könnte ich das Amt opfern“, sagt Sander, der in der kommenden Woche seinen 66. Geburtstag feiert.

Ob Birkner, der heute 38 wird, Philipp Rösler im FDP-Landesvorsitz folgt, ist allerdings noch keineswegs ausgemacht. Bislang schien der 40-jährige Wirtschaftsminister Jörg Bode der Hauptfavorit, hatte er doch von Rösler schon den Posten des Fraktionschefs und später den des Wirtschaftsministers „geerbt“. Doch es wäre ganz gut, jetzt „auch eine zweite Figur ins Schaufenster“ zu stellen, heißt es aus der Spitze der niedersächsischen FDP. Dass ausgerechnet Bode sich beim Parteitag am vergangenen Wochenende an die Spitze der Gorleben-Gegner stellte, kam beim Wirtschaftsflügel nicht gut an. Dass er sich kürzlich von der Glücksspiellobby nach Sylt einladen ließ, finden Parteifreunde „auch nicht glücklich“, auch wenn der gelernte Bankkaufmann sonst als fleißiger und berechenbarer Minister gilt. Eher Außenseiterchancen könnte der jetzige Fraktionschef im Landtag, Christian Dürr, haben, der mit 33 Jahren aber vielen noch zu jung ist.

Im Zuge einer Telefonschaltkonferenz nach Philipp Röslers Ansage, nun für den Bundesvorsitz zu kandidieren, hat sich der FDP-Landesvorstand erst einmal Zeit gegeben. Nach der Kommunalwahl am 11. September soll der neue Landeschef gekürt werden. Dann könnte Sanders Restlaufzeit zu Ende gehen.

Mehr zum Thema

Rund 9500 Euro an Anlieger der Fulda zur Sicherung des Flussufers soll Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) veruntreut haben. Der Finanzpolitiker Hans-Jürgen Klein (Grüne) hat nun Anzeige erstattet.

24.08.2010

Er plane einen „Ablasshandel mit unserer Natur“, wirft der Bund für Heimat und Umwelt (BHU) dem niedersächsischen Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) vor. Der Minister fordert sei Jahren, dass zerstörte Natur nicht mehr vorrangig durch neues Grün ausgeglichen werden muss.

02.03.2010
Niedersachsen Minister für Umwelt und Inneres - Sander will Atommüll abschieben

Die niedersächsischen Minister für Umwelt und Inneres, Hans-Heinrich Sander (FDP) und Uwe Schünemann (CDU) kämpfen nach der Ankunft des zwölften Castor-Transports in Gorleben einen ähnlichen Kampf mit ähnlichen Argumenten.

Karl Doeleke 10.11.2010