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Niedersachsen Uwe Schünemann trifft auf Boris Pistorius
Nachrichten Politik Niedersachsen Uwe Schünemann trifft auf Boris Pistorius
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19:01 05.11.2012
Foto: Innenminister Uwe Schünemann sitzt am Montag in einer Tagespflegestelle für Polizeikinder in Osnabrück – dem Wahlkampf wegen.
Innenminister Uwe Schünemann sitzt am Montag in einer Tagespflegestelle für Polizeikinder in Osnabrück – dem Wahlkampf wegen. Quelle: dpa
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Osnabrück

Es gibt im Politikerleben Momente, in denen die Attacke auf den Gegner als unpassend oder gar unhöflich empfunden würde, das gilt selbst in Wahlkampfzeiten. Ganz brav stehen also Innenminister Uwe Schünemann (CDU) und der Osnabrücker Oberbürgermeister Boris Pistorius (SPD) am Montag nebeneinander. Lächelnd lauschen sie den Worten der Osnabrücker Polizeipräsidentin Heike Fischer. Schünemann ist eigens aus Hannover gekommen. Pistorius möchte nach der Landtagswahl im Januar eben dorthin und im Kabinett von SPD-Spitzenkandidat Stephan Weil dessen Amt übernehmen. In Osnabrück treffen sie sich im Kindergarten.

In der Osnabrücker Polizeidirektion eröffnen sie gemeinsam eine Tagespflegestelle für zehn Polizistenkinder – ein Allerweltstermin, normalerweise nicht der Rede Wert. Doch jetzt ist Wahlkampf. Beide haben sichtlich Mühe, keine Spitzen abzufeuern, auch wenn die Kleinen die Politik ganz offensichtlich nicht interessiert. Die Kinder rasen auf kleinen Bobbycars mit Blaulicht zwischen den Beinen der Erwachsenen hindurch.

Mit einem Blick auf die vielen anwesenden Journalisten kann der Sozialdemokrat sich ein süffisantes Lächeln dann auch nicht verkneifen: „Die sind alle nur wegen der Kinder hier.“ Pistorius genießt das Heimspiel. Viele der Polizisten kennt der Oberbürgermeister persönlich und spricht sie mit dem Vornamen an. Das Haus der Polizeidirektion stammt aus der Kaiserzeit. Früher hatte hier der Regierungsbezirk seinen Sitz. Bis zu seiner Wahl zum Stadtoberhaupt 2006 war Pistorius dort Chef der Schulabteilung. Am Rande nach den Unterschieden zum amtierenden Minister gefragt, betont Pistorius seine kommunikativen Fähigkeiten: „Schünemann regiert stattdessen von oben nach unten durch“, sagt der Herausforderer und beklagt den Beförderungsstau bei der niedersächsischen Polizei. Als Schünemann kurz darauf mit etwas Verspätung eintrifft, gehen die beiden Politiker gemeinsam lächelnd auf die Kinder und deren Eltern zu.

Es gibt Süßes. Auf den Tischen liegt Mäusespeck. Schünemann reicht etwas vom Naschwerk an die Kinder weiter. Die Polizeipräsidentin achtet darauf, das Lob gleichmäßig zu verteilen: Schünemann nennt sie einen „vorbildlichen Arbeitgeber“. Dem Oberbürgermeister dankt sie für die Unterstützung beim Ausbau der kleinen Betriebskita. Bei so viel Freundlichkeit geizt auch der Minister nicht mit Komplimenten: „Herr Oberbürgermeister, in Osnabrück ist das mit den Tagesmüttern wirklich vorbildlich organisiert.“

„Heute nicht“, winkt Schünemann ab, als er nach seinem Mitbewerber Pistorius gefragt wird. Und mischt dann seinem Lob doch eine kleine Prise Gift bei: „Er ist ein sehr engagierter Oberbürgermeister. Ich wünsche ihm für die weitere Zeit in diesem Amt viel Glück“, sagt der CDU-Mann und lacht: „Er wird sich in Osnabrück weiterhin wohlfühlen.“

Da erübrigen sich sogar Kommentare zur Tatsache, dass Pistorius womöglich bald vor einem Gericht den Umgang seiner Verwaltung mit Beamtenprämien rechtfertigen muss. Schünemann verweist auf die Zuständigkeit der Justiz und zieht lieber weiter zum Fototermin mit den Kindern in deren neuem Spielzimmer. Gemeinsam lächeln die beiden Kontrahenten in die Kameras.

Bernhard Remmers

Klaus Wallbaum 05.11.2012
Klaus Wallbaum 29.10.2012