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Niedersachsen Der Kampf gegen die Verschwendung
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00:21 07.05.2015
Von Heiko Randermann
Viele Lebensmittel landen im Müll, obwohl sie noch genießbar wären. Quelle: dpa
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Hannover

Den Vorsitz der Konferenz hat Niedersachsens Minister Christian Meyer (Grüne). „Wir müssen und wollen etwas gegen diesen Missstand tun“, sagt Meyer. Die Europäische Union habe das Ziel ausgegeben, den Anteil verschwendeter Lebensmittel bis 2025 um 30 Prozent zu reduzieren. Das werde von Niedersachsen unterstützt. Dass diese Marke noch nicht in Deutschland gelte, liege daran, dass „der Bund trödelt“, so der Minister. Für 60 Prozent der Verschwendung sei der Endverbraucher verantwortlich, doch es brauche einen Bewusstseinswandel auch beim Handel und in der Gastronomie, meint Meyer. Krumme Gurken, fleckige Äpfel und schrumpelige Kartoffeln sollten verkauft statt weggeworfen werden. Nötig sei ein neuer Umgang mit Haltbarkeitsdaten. Der Hintergrund: Viele Lebensmittel, die eigentlich noch gut sind, werden entsorgt, nur weil die Mindesthaltbarkeit abgelaufen ist.

Insgesamt 60 Themen wollen die Minister auf der Konferenz diskutieren. Eine Auswahl.

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Pfusch an Produkten: Meyer macht sich stark für ein Gesetz, das Hersteller von Elektrogeräten verpflichtet, die durchschnittliche Lebensdauer ihres Produkts auf die Packung zu drucken. Damit sollen Verbraucher vor geplanter Obsoleszens, also dem gewollten schnellen Verschleiß von Geräten, geschützt werden. Auch die Reparaturfreundlichkeit eines Geräts soll angegeben werden. Regeln für Kreditvergabe: Die Schufa soll transparenter machen, nach welchen Maßstäben sie die Kreditwürdigkeit von Kunden beurteilt. Außerdem fordert Niedersachsen, dass Sozialdaten wie Wohnort, Alter, Geschlecht oder Migrationshintergrund nicht mehr für die Beurteilung von Kreditwürdigkeit herangezogen werden.

Pestizid-Verbot: Meyer will sich für ein weitgehendes Verbot des Pflanzenschutzmittels Glyphosat in der Landwirtschaft einsetzen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO habe das Mittel als wahrscheinlich krebserregend eingestuft.
Fleisch-Kennzeichnung: Niedersachsen wirbt  für sein Vorhaben, Fleischprodukte in Zukunft ähnlich wie Eier nach Haltungsformen zu kennzeichnen. Damit soll der Verbraucher sofort erkennen können, ob das Schnitzel aus der Intensivtierhaltung, einem Biostall oder einem konventionellen Betrieb kommt.

Siegel-TÜV: Niedersachsen beklagt, dass es eine „kaum zu durchschauende Vielfalt von Siegeln“ für Lebensmittel gebe. Der Bund solle einen „Siegel-TÜV“ einführen, um zu gewährleisten, dass die verwendeten Siegel der Verbrauchersicherheit und nicht der Verbrauchertäuschung dienen, sagt Minister Meyer.

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