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Niedersachsen Verstrahlte Versuchstiere in der Asse?
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22:28 11.06.2009
Von Margit Kautenburger
Atommüllager Asse
Atommüllager Asse Quelle: lni
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Die niedersächsischen Grünen haben neue Hinweise darauf, dass der damalige Betreiber diese Versuche in den sechziger Jahren in Zusammenarbeit mit der Europäischen Atomgemeinschaft Euratom durchgeführt hat, wie Grünen-Chef Stefan Wenzel am Donnerstag in Hannover berichtete. Dies sei ein „weiterer Anhaltspunkt dafür, dass es eine Menge falsch deklarierte Fässer in der Asse geben muss und dort viel mehr und auch andere Stoffe lagern als angenommen“.Nach offiziellen Inventarlisten wurden 126 000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Müll in der Asse deponiert. Vor zwei Monaten war ein Gutachten von 2004 bekannt geworden, wonach rund eine Tonne Tierkadaver in dem Bergwerk entsorgt wurden.

Die Grünen wollen in dem Ende Juni beginnenden Asse-Untersuchungsausschuss auch Mitarbeiter von Euratom als Zeugen hören. „Wir haben festgestellt, dass Euratom viel stärker involviert war in die Asse als bislang bekannt“, sagte Wenzel. Recherchen zur Vorbereitung des Ausschusses hätten ergeben, dass zwischen 1964 und 1967 Reihenexperimente zur Krebsentstehung an Affen, Schweinen, Kühen, Hunden und Katzen in einer „Versuchs- und Ausbildungsstätte für Strahlenschutz“ in Neuherberg bei München durchgeführt worden seien. Die Kosten habe zur Hälfte Euratom getragen. Aus dieser Einrichtung sei der spätere Asse-Betreiber, die Gesellschaft für Strahlenschutz, hervorgegangen, der schließlich unter dem Namen Helmholtz Zentrum firmierte. „Wir fragen uns, wo die Tierkadaver geblieben sind“, sagte Wenzel. 1967 habe die Einlagerung von Atommüll in der Asse begonnen. „Es liegt nahe, dass die Kadaver dort entsorgt wurden.“ Dies sei illegal gewesen. In der Asse habe kein flüssiger und kein organischer Müll deponiert werden dürfen.

Für die Grünen ist die Frage nach dem Inventar der Asse die zentrale Frage für den Untersuchungsausschuss. „Wir müssen als Erstes klären, was drin liegt“, betonte Wenzel. Dies sei entscheidend für die Schließung. Die Regierungsfraktionen im Landtag sehen das anders. CDU und FDP wollen den Ausschuss mit der Frage nach der Auswahl des Standortes Asse beginnen. Die Grünen vermuten dahinter Wahlkampftaktik. CDU und FDP versuchten offenbar zu vermeiden, dass prominente Politiker der derzeitigen Bundes- und Landesregierung vor der Bundestagswahl aussagen müssten.