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Niedersachsen 33 Förderschulen in Niedersachsen haben zu wenig Schüler
Nachrichten Politik Niedersachsen 33 Förderschulen in Niedersachsen haben zu wenig Schüler
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00:16 23.12.2018
Förderschulen haben oft weniger Schüler aber mehr Betreuung: Die Grünen empfinden das im Zeitalter der Inklusion als ungerecht. Quelle: dpa
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Hannover

 Drückt die Landesregierung aus politischen oder anderen Gründen bei der Genehmigung von Schulen beide Augen zu? Diesen Verdacht hegt die Grünen-Abgeordnete Julia Hamburg – und stützt ihn auf eine Antwort der Landesregierung auf eine kleine Anfrage. Nach ihr haben 33 der 51 Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen nicht die erforderliche Mindestschülerzahlen und sind dennoch von der Landesregierung genehmigt worden.

Überlebensgarantie bis 2028

Die Förderschule Lernen sollte eigentlich im Zuge der Inklusion, bei der nichtbehinderte Kinder gemeinsam mit Kindern mit Handicaps unterrichtet werden, im Jahr 2022 auslaufen. Doch hat die rot-schwarze Koalition diesem in vielen Orten beliebten Sonderschultyp noch eine Überlebensdauer bis zum Jahr 2028 eingeräumt. 51 Schulen dieser Art gibt es in Niedersachsen, doch dürften nach Ansicht der Grünen nur noch achtzehn den längeren Bestandsschutz genießen. Denn 13 dieser Schulen hätten im 5. Schuljahrgang nicht die erforderliche Mindestzahl von 13 Schülern oder Schülerinnen. Manche von ihnen haben laut einer Auflistung des Kultusministeriums nur vier (Pestalozzischule Gifhorn) oder sieben Schüler (etwa Bad Salzdetfurth oder Barsinghausen), manche nur acht wie eine Schule in Alfeld.

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In ihrer Antwort auf die Anfrage der Grünen erklärt die Landesregierung, dass es Sache der Schulträger sei, Schulen zu schließen oder zu erweitern, wenn dies die Entwicklung der Schülerzahlen nahelege. Die Landesregierung habe bei der Genehmigung der Förderschulen jedenfalls keinen „Widerrufsvorbehalt“ vorgesehen. Die Landesschulbehörde habe damit begonnen, bei den Schulträgern jetzt nach den aktuellen Schülerzahlen zu fragen. „Erst hat die Landesregierung bei der Genehmigung beide Augen zugemacht und nun zieht sie sich aus der Verantwortung“, findet die Abgeordnete Hamburg.

Die „normalen“ Schulen haben das Nachsehen

Die Grünen, die ohnehin wenig von der Sonderbeschulung halten, empfinden diese Vorgehensweise als schlecht. „Angesichts des großen Mangels an Sonderpädagogen und -pädagoginnen ist das ein unverantwortlicher Umgang mit knappen Ressourcen.“ Denn während die „normalen“ inklusiven Schulen sehnsüchtig auf die Zuteilung versierter Sonderpädagoginnen warteten, würden Sonderschulen mit nur vier Schülern und Schülerinnen weiterbetrieben.

Von Michael B. Berger

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