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Niedersachsen Viele Vorbehalte gegen Speicherung von Kohlendioxid
Nachrichten Politik Niedersachsen Viele Vorbehalte gegen Speicherung von Kohlendioxid
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08:24 17.07.2009
Von Klaus Wallbaum
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Das Braunkohlekraftwerk Jänschwalde in Brandenburg. Quelle: Michael Urban/ddp
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In einem Vermerk der Landesregierung zu diesen Absichten werden nun erhebliche Zweifel und Bedenken geäußert - hinsichtlich der Sicherheit, aber auch der Kosten. Außerdem will das Land auf jeden Fall sicherstellen, dass die spätere Haftung nicht den jeweiligen Ländern obliegt, sondern dem Bund.

Das Treibhausgas Kohlendioxid gilt als Hauptverursacher der Erderwärmung. Mit der neuen CCS-Technologie soll es abgesondert, verdichtet, in flüssige Form gebracht und in ausgedienten Bergwerken deponiert werden. Angetrieben werden solche Überlegungen von den ehrgeizigen Beschlüssen der EU, bis 2020 den CO2-Ausstoß um 20 Prozent zu verringern. Für solche Speicherstätten kommt Norddeutschland in Betracht - nicht zuletzt deshalb, weil mehrere neue Kohlekraftwerke an der Nordseeküste entstehen sollen. Eine Verpressung von Kohlendioxid nah am Kraftwerk bietet sich an, weil der Transport über eine Pipeline hohe Kosten mit sich bringt.

Gegenwärtig ist Niedersachsen in doppelter Hinsicht von solchen Plänen betroffen: RWE will in Hürth bei Köln bis 2014 ein Braunkohle-Großkraftwerk errichten, das Kohlendioxid soll über eine Pipeline durch Niedersachsen nach Schleswig-Holstein gebracht werden. Konkrete Pläne dazu werden nach der Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen am 30. August erwartet. Außerdem will e.on für sein geplantes Kraftwerk in Wilhelmshaven Lagerstätten suchen, in 17 angrenzenden Landkreisen wurde gefragt, die Kreise Wittmund, Aurich und Friesland haben bereits ablehnend reagiert.

In einem internen Positionspapier der Landesregierung werden nun erhebliche Bedenken geäußert. Zum einen erschwerten solche Speicherstätten die Erschließung von Bodenschätzen. Auch Erdwärme könne dort dann nicht mehr gewonnen werden. Hinzu kämen mehrere technische Risiken: Wenn Kohlendioxid in den Boden gepresst werde, komme es zu großen Volumenverlagerungen und Druckveränderungen - die Gefahr von Erdbeben steige. Wenn eine CO2-Pipeline löchrig wird, kann das Gas entweichen. In Tälern drohe dann Tieren und Menschen der Erstickungstod wegen der hohen CO2-Konzentration in der Luft. Unklar sei auch, wie sich das Gas in der Erde auf Dauer verhalte, womöglich könne es ins Grundwasser kommen und als Säure chemisch reagieren.

Auch auf die wirtschaftlichen Folgen wird hingewiesen: Der Wirkungsgrad eines modernen Kohlekraftwerks, das die CCS-Technologie nutzt, verringere sich von 45 auf 35 Prozent. Die Erzeugerkosten für den Kohlestrom würden sich mit der neuen Technologie geradezu verdoppeln. Am Ende könnten vielleicht Wind- oder Solarstromanlagen günstiger sein als die Kohlekraftwerke. Von denen allerdings sind bis 2020 bundesweit 24 in der Planung.

Karl Doeleke 16.07.2009
Alexander Dahl 15.07.2009