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Niedersachsen Wahlkampf um Inklusion: Was hilft Schulen wirklich?
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00:16 04.06.2017
Quelle: dpa (Symbolbild)
Hannover

Der gemeinsame Schulunterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern gerät immer mehr in den Sog des kommenden Landtagswahlkampfs. Nach der Forderung der CDU nach einer einjährigen Pause bei der Inklusion kündigte die SPD am Donnerstag die Einstellung von 800 pädagogischen Fachkräften an. Diese sollen die Lehrer in den Klassenräumen unterstützen.

Es gehe um 650 Heilpädagogen, Ergotherapeuten und Logopäden, die bei der Inklusionsarbeit helfen sollen, sowie 150 zusätzliche Sprachlehrer, sagte SPD-Fraktionschefin Johanne Modder bei der Klausur der SPD-Fraktion in Wilhelmshaven. „Dafür stehen sofort 15 Millionen Euro bereit.“

Eberhard Brandt, Chef der Lehrergewerkschaft GEW, begrüßte die Maßnahme als „großen ersten Schritt zur Einrichtung von multiprofessionellen Teams“. In diesen Teams kümmern sich verschiedene Fachleute gemeinsam um förderbedürftige Schüler. Die Regierung erkenne damit an, dass es in den Schulen Handlungsbedarf gebe, so Brandt. Die Inklusion sei zu einem Wahlkampfthema geworden, sagte der Gewerkschaftschef. „Die Frage ist, ob die Diskussion faktisch oder postfaktisch geführt wird.“ Die Forderung von CDU-Landeschef Bernd Althusmann nach einem einjährigen Moratorium bei der Inklusion nannte Brandt „populistisch“.

Althusmann erneuerte am Donnerstag seine Forderung nach einer Denkpause. „Niemand ist gegen die Inklusion, auch wir nicht. Wir wollen aber, dass die Inklusion besser gelingt“, sagte er der HAZ. Deshalb müsse man sich Zeit nehmen, um ein Gesamtkonzept zu erarbeiten. Das fehle der Landesregierung, die aktuellen Beschlüsse wirkten „wie hilfloser Aktionismus“, so der Spitzenkandidat der Union.

Der Vorsitzende des Verbandes Niedersächsischer Lehrkräfte, Manfred Busch, sagte, die SPD nehme endlich die Sorgen in den Schulen wahr. „Die bevorstehenden Landtagswahlen machen sich bemerkbar“, so Busch. Bei 3000 Schulen seien 650 Inklusions- und 150 Sprachförderkräfte aber „noch nicht einmal ein ordentlicher Tropfen auf einem sehr heißen Stein“.

Der Verband Bildung und Erziehung begrüßte dagegen die SPD-Ankündigung: Damit komme die Partei einer langjährigen Forderung des Verbandes nach. Reinhard Fricke vom Verband Sonderpädagogik sagte, um Schüler mit Förderbedarf zu betreuen, sei es wichtig, multiprofessionelle Teams zu bilden. „Jeder muss seine Rolle kennen und finden“, so Fricke.

Der ehemalige Behindertenbeauftragte von Niedersachsen, Karl Finke, kritisierte, dass die Diskussion über die Köpfe der Betroffenen hinweg laufe. „Die Stimme der Behinderten wird nicht gehört“, sagte Finke der HAZ. Inklusion sei ein Menschenrecht, für das Behinderte jahrelang gestritten hätten. Das Erreichte dürfe jetzt nicht zerredet werden, appellierte Finke.

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