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Niedersachsen Weil beklagt Abgehobenheit der Eliten
Nachrichten Politik Niedersachsen Weil beklagt Abgehobenheit der Eliten
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18:35 06.01.2019
06.01.2019, Niedersachsen, Rehburg-Loccum: Wilfried Bernhard Theising (l-r), Weihbischof in Münster und Offizial des Offizialatsbezirks Oldenburg mit Sitz in Vechta, Horst Hirschler, Abt des Klosters Loccum, Stephan Weil (SPD), Ministerpräsident von Niedersachsen, und Ralf Meister, Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover, stehen zu Beginn des Epiphanias-Empfanges der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover in der Klosterkirche. Zu dem Empfang am Dreikönigstag kommen alljährlich Repräsentanten aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft in das Kloster. Foto: Holger Hollemann/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Quelle: dpa
Kloster Loccum

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat die Abgehobenheit von Menschen, die in Politik und Gesllschaft wirken, beklagt und zu mehr Selbstkritik aufgerufen. „Zu oft vermitteln wichtige Funktionsträger den Eindruck, zu viel mit sich selbst und zu wenig mit den Themen der Gesellschaft beschäftigt zu sein“, sagte Weil beim Epiphaniasempfang der evangelischen Landeskirche Hannovers im Kloster Loccum bei Nienburg. „Wenn Vertrauen zurückgewonnen werden soll, werden wir auch in dieser Hinsicht um eine kritische Selbstreflektion nicht herumkommen.“

Nachdenklichkeiten am Rande des Butterkuchens

Weil war der erste Redner auf dem Empfang, mit dem seit 42 Jahren gewissermaßen die neue, politische Saison in Niedersachsen eröffnet wird, weil sich hier die Spitzen von Politik, Religionsgemeinschaften und Behörden versammeln. Seit dem 6. Januar 1977 –dem Todestag des früheren Landesbischofs Hanns Lilje – findet der recht exklusive Empfang im ehemaligen Ziestersienserkloster Loccum am 6. Januar statt, wie der einladende Landesbischof Ralf Meister erläuterte. Den Mittelpunkt des Treffens, bei dem stets Butterkuchen sowie Kaffee und Tee gereicht werden, bilden die Reden des Ministerpräsidenten und des Landesbischofs. Neben Weil und zahlreichen Kabinettsmitgliedern war auch Landtagspräsidentin Gabriele Andretta unter den 129 Gästen.

Weil führte auf die Abgehobenheit der gesellschaftlichen Eliten auch das Wachstum der Rechtspopulisten zurück, die für ein kälteres, ruppigeres Klima gesorgt hätten – nicht nur in Deutschland, sondern auch in europäischen Nachbarländern. „Der Rechtspopulismus ist auch eine Form der Elitenkritik und diese Kritik geht weit über populistische Kreise hinaus“, sagte der Politiker. Darauf zu achten, dass „die Schere zwischen oben und unten nicht zu groß“ werden könne, sei der Politik nicht gelungen. Das Eigentümliche an der derzeitigen gesellschaftlichen Entwicklung sei indes, dass die Unzufriedenheit mancher in Zeiten wachse, in denen es historische Beschäftigungsrekorde gebe und wirtschaftliche Wachstumsraten gefeiert würden. Doch dürfe man diese positiven Entwicklungen nicht für selbstverständlich erachten, betonte Weil.

Bischof übt Medienkritik

Landesbischof Ralf Meisters Rede kreiste um das Thema „Sorge“. Sorglos zu leben, falle heute sehr schwer, meinte der Theologe. Die Liste der Orte, die man in diesen Tagen aufzählen könne, beginne mit Amberg, (hier machten Asylbewerber Jagd auf Menschen), gehe über Bottrop (wo ein deutscher Ausländerhasser in eine Menschenmenge fuhr) und höre bei Syrien nicht auf, sagte Meister. Solche Sorgen beeinflussten das politische Klima und begünstigten rechte Parteien, die die Sorge instrumentalisierten. „Um ein Vielfaches verstärkt wird diese Sorge durch Berichterstattungen in den Medien und sozialen Netzwerken. Die Aufmerksamkeit, die damit auf Attentäter, Irregeleitete und auf ihre Taten gelenkt wird, ist unerträglich. Jede blutige Sekunde ist rund um den Erdball verfolgbar.“ Dabei verschöben sich die Maßstäbe, skizzierte der Bischof, und werde aus jedem Amoklauf der Vorbote eines Weltunterganges. Umso wichtiger würden die inneren Orientierungen. Loccums Abt Horst Hirschler plädierte für mehr Gottvertrauen und kritisierte, dass sich Christen zu sehr aufs gute Tun beschränkten.

Der Kordon von Staatslimousinen, die vor dem Kloster Loccum vorfuhren, wurden diesmal von Demonstranten aus dem Region Fischerhude begrüßt. Es handelte sich um Vertreter einer Bürgerinitiative „NoMoorGas“, die verhindern wollen, dass auch in ihrer Gegend nach Erdgas gebohrt werden wird.

Von Michael B. Berger

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