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Niedersachsen Weniger Täter, weniger Taten
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20:59 05.03.2012
Von Karl Doeleke
Jugendgewalt: Die Intensivtäter bleiben ein Problem.
Jugendgewalt: Die Intensivtäter bleiben ein Problem. Quelle: dpa
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Hannover

Der Junge ist gerade mal 15 Jahre alt und wenn es schlecht für ihn läuft in der Jugendanstalt in Hameln, dann wird er volljährig sein, bis er aus dem Gefängnis entlassen wird. Der Hauptschüler hat mit zwei Freunden, 14 und zwölf Jahre alt, im Januar in Salzgitter einen behinderten Mann mit Steinen beworfen, geschlagen und getreten und ihn dann bewusstlos auf einem Feldweg zurückgelassen. Eine Jugendrichterin hat konsequent gehandelt und den Jungen nur zehn Tagen nach der Tat für drei Jahre ins Gefängnis geschickt.

Die Geschichte des 15-Jährigen aus Salzgitter ist ein Extremfall - tatsächlich geraten Kinder, Jugendliche und Heranwachsende nach Angaben von Innenminister Uwe Schünemann immer seltener mit dem Gesetz in Konflikt. Die Zahl der von der Polizei registrierten Straftaten von Jugendlichen ist im vergangenen Jahr um beinahe zehn Prozent auf rund 44000 zurückgegangen - 2010 waren es noch 49000 Fälle, wie aus der Statistik des CDU-Ministers hervorgeht. Zugleich werden weniger junge Menschen straffällig: Die Zahl der Tatverdächtigen ging um knapp neun Prozent zurück. "Es sieht so aus, als ob wir die Trendwende geschafft haben", sagte Schünemann am Montag in Hannover. Noch vor zehn Jahren wurden fast 55000 Straftaten von Jugendlichen registriert. Der Rückgang sei der Lohn einer erfolgreichen Präventionsarbeit der Polizei im Jugendbereich, sagte Schünemann.

Der Fall aus Salzgitter ist auch deshalb ungewöhnlich, weil insbesondere die sogenannten Rohheitsdelikte seit Jahren zurückgehen. Die Zahl zum Beispiel der schweren und gefährlichen Körperverletzungen sank nach Schünemanns Angaben seit 2007 von knapp 2100 Fälle auf heute knapp 1150 im Jahr. Wenn die Polizei Jugendliche als Tatverdächtige registriert, dann vor allem wegen Diebstahls - und hier gingen die festgestellten Taten um 45 Prozent zurück.

Es sind daher insbesondere die Intensivtäter, die dem Innenminister Sorge bereiten: "Hier kann es keine Entwarnung geben", sagte Schünemann. Zwar werden in der 2009 in Niedersachsen eingeführten Intensivtäterdatei nur noch 72 besonders auffällige junge Delinquenten geführt (sie war mit 116 Aktenzeichen gestartet). Und auch die gesamten der von diesen Intensivtätern begangenen Straftaten sank auf 1810 Fälle (von 2136 im Vorjahr) - pro Kopf macht das aber einen Anstieg auf 25 Taten (von 23 in 2010). So blieb dem Minister eines festzuhalten: Jeder einzelne der Intensivtäter habe mehr Straftaten begangen als in der Vergangenheit. "Eine kleine Gruppe von Minderjährigen ist für eine Vielzahl von Straftaten verantwortlich." Es gebe eine Reihe von Tätern, die nur mit Repressalien erreicht werden könnten. Schünemann lobte den von der schwarz-gelben Bundesregierung vereinbarten "Warnschussarrest": Jugendrichter sollen den Kurzarrest nach den Plänen der Koalition neben einer Bewährungsstrafe verhängen können, um jungen Delinquenten eine Vorstellung von Haft zu vermitteln - in der Hoffnung, dass das abschreckt und damit bekehrende Wirkung entfaltet.

Alkohol spielt wie bei erwachsenen Straftätern eine große Rolle in der Jugendkriminalität - er sei ein "Gewaltkatalysator", sagte Schünemann. "Es gibt keinen Anlass zur Entwarnung. Die Zahlen sind weiter besorgniserregend."

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