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Niedersachsen Weil und Giffey als neues Führungsduo für die SPD?
Nachrichten Politik Niedersachsen

Werden Giffey und Weil die neue Doppelspitze der SPD?

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21:22 23.06.2019
„Es ist extrem wichtig, dass im Vorsitz jemand ist, der Bauch und Herz erreicht“: Franziska Giffey weist Ambitionen zumindest nicht zurück. Wäre Stephan Weil ein guter Partner für sie? Quelle: Hauke-Christian Dittrich/dpa
Berlin

Inmitten dramatischer Stimmverluste bei den vergangenen Wahlen und in aktuellen Umfragen stellt die SPD am Montag die Weichen für ihre Zukunft. Der Parteivorstand entscheidet darüber, wie die künftige Parteisführung bestimmt wird – und ob sie erstmals in der Geschichte der Partei aus einer Doppelspitze bestehen soll.

Tatsächlich deutet vieles darauf hin, dass die Partei künftig ein Führungsduo haben wird. In einer parteiinternen Umfrage mit mehr als 23 000 Teilnehmern habe es Hinweise gegeben, „dass eine Doppelspitze eine gute Alternative ist“, sagt der kommissarische Parteichef Thorsten Schäfer-Gümbel. Auch SPD-Vordenker Erhard Eppler legte seiner Partei eine solche Lösung nahe – „wenn beide harmonieren und sich nicht gegenseitig im Weg stehen“. Eben das gilt derzeit als Erfolgsgeheimnis der Grünen-Doppelspitze aus Annalena Baerbock und Robert Habeck.

Bei der Frage nach möglichen Kandidaten fällt immer wieder auch der Name von Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil. Ihn hatte Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann zuletzt wieder ins Spiel gebracht, außerdem den Namen von Arbeitsminister Hubertus Heil genannt. Beide haben Ambitionen bisher bestritten. Aus Parteikreisen heißt es, der Ruf nach Berlin müsste für Weil schon sehr laut sein. Möglicherweise würden aber durch eine Doppelspitze die Karten neu gemischt. Am Sonntag wollte Weil auf Anfrage nichts dazu sagen.

Eher infrage kommt womöglich Generalsekretär Lars Klingbeil, der den Neuaufbau der SPD derzeit organisiert. Bisher lässt sich Klingbeil jedoch mit Blick auf mögliche Ambitionen nicht in die Karten schauen.

Hoch gehandelt als weibliche Hälfte der Doppelspitze wird Familienministerin Franziska Giffey – sofern ihr die Plagiatsprüfung ihrer Doktorarbeit keinen Strich durch die Rechnung macht. Giffey selbst weist Ambitionen jedenfalls nicht zurück. „Es ist extrem wichtig, dass im Vorsitz jemand ist, der Bauch und Herz erreicht“, sagte sie der „Süddeutschen Zeitung“. Zugleich spricht sich die Familienministerin indirekt für ein Führungsduo aus: „Wenn Sie eine schwere Aufgabe haben, arbeiten Sie doch lieber zusammen mit anderen Menschen, oder?“ Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig dagegen hat abgewunken – sie wolle in Schwerin bleiben.

Aus der sächsischen SPD kommt derweil die Forderung, in der neuen Doppelspitze müssten auch die neuen Bundesländern vertreten sein. „Ich finde, eine Doppelspitze ist unverzichtbar“, sagte Landes-Integrationsministerin Petra Köpping unserem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Das müssen ein Mann und eine Frau, eine Person aus dem Westen und eine aus dem Osten sein.“

Mit einer Doppelspitze wäre die SPD in der deutschen Parteienlandschaft keine Ausnahme. Neben den Grünen werden auch die Linke sowie die AfD von einem Duo geführt.

Von Theresa Münch