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Niedersachsen Will Innenminister Pistorius in die Bundespolitik?
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12:35 03.06.2017
Von Heiko Randermann
„Agiles, kleines Kraftpaket“: Nicht jedes Lob für Boris Pistorius ist ausgesucht charmant. Quelle: DAVIDS/Boillot
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Hannover

Am Tag danach war die Medienlandschaft angetan vom Auftritt dieses knorrigen, zupackenden Landesinnenministers in Berlin. „Der rote Sheriff“ nannte der Berliner „Tagesspiegel“ den Niedersachsen Boris Pistorius, die „Frankfurter Allgemeine“ sah in dem 57-Jährigen „ein agiles kleines Kraftpaket“. Zusammen mit SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hatte Boris Pistorius am Donnerstag ein Zehn-Punkte-Papier zur inneren Sicherheit vorgestellt und ist jetzt quasi auch offiziell der wichtigste Innenpolitiker der SPD. Doch das befeuert in Niedersachsen Spekulationen: Will Pistorius nach der Bundestagswahl im Herbst nach Berlin wechseln?

Klare, druckvolle Redeweise

Der Minister wies das immer wieder von sich, zuletzt auch bei seinem Auftritt in Berlin: „Ich habe eine Rolle in Niedersachsen“, stellt Pistorius schon am Rednerpult im Willy-Brandt-Haus klar. Er werde aber Martin Schulz in den nächsten Monaten beim Thema innere Sicherheit im Wahlkampf unterstützen.

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Dass er als Landesminister diese Rolle so selbstverständlich einnehmen kann, hat sich Pistorius erarbeitet. Den Anfang machte die Absage des Fußball-Länderspiels in Hannover im November 2015. In einer eilig einberufenen Pressekonferenz eierte Bundesinnenminister Thomas de Maizière damals durch vage Sätze und Andeutungen, bis er schließlich zur allgemeinen Erheiterung erklärte, dass „ein Teil dieser Antworten die Bevölkerung verunsichern würde“. Pistorius neben ihm sagte dagegen klar, was man zu diesem Zeitpunkt wusste und was man nicht wusste und machte eine souveräne Figur.

Danach folgten für Pistorius die Einladungen zu den Talkshows: Bei „Hart aber fair“ stritt Pistorius mit AfD-Chefin Frauke Petry und verteidigte bei „Anne Will“ den Doppelpass. Nervös wirkte er dabei nie: Der 57-Jährige weiß, dass er sich auf sein Redetalent verlassen kann. Pistorius spricht schnell, aber eine einfache Sprache. In klaren, druckvollen Sätzen kann er auch differenzierte Analysen auf den Punkt bringen, ohne dabei dozierend zu wirken. Und er ist sich als Minister auch nie zu schade, mit seinen Diskussionspartnern eine schöne Rauferei anzufangen - natürlich rein verbal.

Kandidatur für den Landtag

Politisch sorgte Pistorius bundesweit für Aufsehen, als er einen islamistischen Gefährder aus Nigeria abschieben ließ, obwohl dieser noch keine Straftat begangen hatte. In Sachen bundesweiter Prominenz läuft Pistorius derzeit Ministerpräsident Stephan Weil den Rang ab. In SPD-Kreisen wird das aber nicht als Problem angesehen: Man ist stolz auf Boris. Und von einer Rivalität zwischen Weil und Pistorius ist nichts bekannt.

In Niedersachsen glauben die Sozialdemokraten fest daran, dass Pistorius’ Ausflug in die Bundespolitik nur vorübergehend ist: Der Innenminister kandidiert in Osnabrück für den Landtag. Und teilweise heißt es auch offen, dass die Chancen der SPD, den nächsten Bundesinnenminister stellen zu können, wohl eher gering einzuschätzen seien.

Auswirkungen auf die Landes-SPD könnte die Situation aber sehr wohl haben. Sollte sie die Landtagswahl verlieren, bräuchte sie eine neue Nummer eins. Bislang galt Wirtschaftsminister Olaf Lies als Favorit, doch der kämpft mit einer Vergabe-Affäre. Als neuer starker Mann empfiehlt sich derzeit jemand anderes: Boris Pistorius.

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