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Niedersachsen Wirbel um McAllisters Sommerinterview
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10:30 14.08.2012
Von Karl Doeleke
Auch dieses Bild gab es gratis dazu: McAllister im Strandkorb. Quelle: CDU/Schwarze
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Hannover

Man hätte zum Beispiel - kurz vor Ende der Sommerferien - Fragen zur umstrittenen Schulpolitik in Niedersachsen stellen können. Interessant wäre auch zu erfahren, wie der Ministerpräsident zum Bau einer neuen Autobahn zur Entlastung der A2 steht, wenn es denn schon ein großes Sommerinterview mit David McAllister gibt. Nichts davon war in dem Gespräch zu lesen, das schon am vergangenen Freitag den meisten Medien des Landes angeboten wurde. Stattdessen: Schöne Bilder des Ministerpräsidenten im Strandkorb und nettes Staunen des Fragestellers über dessen Ferien zu Hause in Cuxhaven. Kaum der Rede wert, eigentlich.

Und doch erzeugt das Interview ziemlich viel Wirbel. Der Sinn von Interviews mit Politikern ist, dass Journalisten auch unangenehme Themen ansprechen und Politiker nicht mit leeren Worthülsen davonkommen lassen. Anders bei McAllisters Sommerinterview: Das Gespräch haben nicht Journalisten mit ihm geführt, sondern sozusagen die CDU-Pressestelle mit dem CDU-Ministerpräsidenten.

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Wäre das Interview in der CDU-Parteizeitung erschienen, hätte es niemanden gestört. Allerdings ist es an fast alle Zeitungen des Landes geschickt worden - zur freien Verwendung und kostenfrei dazu. Jede Redaktion, die etwas auf ihre Unabhängigkeit hält, muss das als Affront verstehen. Das dämmerte auch bald der CDU. Wenige Stunden später wurde das Angebot zurückgezogen - Generalsekretär Ulf Thiele hatte die Reißleine gezogen. McAllister habe es nicht freigegeben, hieß es zur Begründung. „Ein nicht autorisiertes Interview kann nicht öffentlich sein“, sagt Thiele. Auch soll McAllister selbst Zweifel gehabt haben, ob die Verbreitung eines solchen vorgefertigten Interviews zulässig ist. Die Notiz „Rücksprache - ist das denn so ok?“ habe er übersehen, erklärt CDU-Sprecher Torben Stephan.

Die Entschuldigung, das Interview sollte nur an die Anzeigenblätter in Niedersachsen gehen und nicht an die übrigen Medien, lässt der Journalistenverband DJV nicht gelten. Das sei der plumpe Versuch, diese Blätter in den Wahlkampf der CDU einzuspannen. Die SPD spricht von einer „Posse“. Das Interview werfe ein seltsames Licht auf die Vorstellung der CDU von der Arbeit in den Redaktionen.

Ziemlich viel Ärger also und wenig Ertrag: Das Interview wurde laut CDU nirgends abgedruckt, nur eine Publikation habe es vor dem Widerruf im Internet gegeben. Das Interesse sei aber groß gewesen, sagt Pressesprecher Stephan.

Klaus Wallbaum 05.08.2012