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Niedersachsen Müssen Kassenpatienten länger warten?
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06:28 06.02.2015
Von Jens Heitmann
Kassenpatienten müssen möglicherweise länger auf Termine beim Facharzt warten als von der Bundesregierung geplant. Quelle: Arno Burgi
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Hannover

Die Bundesländer wollen die im GKV-Versorgungsstärkungsgesetz vorgesehene Einrichtung von Termin-Servicestellen bei den Kassenärztlichen Vereinigungen entschärfen.Das geht aus ihrer Beschlussempfehlung für die Sitzung des Bundesrates am Freitag hervor.

Nach dem Willen der Großen Koalition sollen sich Krankenversicherte künftig mit einer Überweisung vom Hausarzt an Servicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen wenden, die dann innerhalb von vier Wochen einen Termin bei einem Fachmediziner vermitteln sollen. Gelingt das nicht, müssen die Servicestellen dem Kranken eine ambulante Behandlung in einem Krankenhaus anbieten. Laut einer Umfrage bekommt derzeit fast die Hälfte der Patienten frühestens nach drei Wochen einen Facharzttermin.

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Die Ärzte lehnen die geplante Neuregelung ab. „Wir haben bei der Terminvergabe sicherlich Defizite“, sagte der Vorstandschef der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), Mark Barjenbruch. „Aber eine Servicestelle führt nur zu einem hohen Aufwand und löst die Probleme nicht.“ Die KVN rechnet jährlich mit bis zu 340 000 Anfragen bei der Servicestelle und müsste dafür mehr als 60 neue Mitarbeiter einstellen. „Das würde uns bis zu 7 Millionen Euro kosten“, sagte Barjenbruch. Die Patienten könnten gleichwohl nicht erwarten, einen Termin bei ihrem „Wunscharzt“ zu bekommen. „Da lauert ein enormes Frustpotenzial.“

Die Kassenärzte plädieren deshalb für ein anderes Modell: Sie wollen die Facharzttermine nach der Dringlichkeit der Erkrankung vergeben – je akuter, desto schneller. Dafür müsse man aber die jeweiligen regionalen Besonderheiten berücksichtigen, sagte Barjenbruch – in enger Abstimmung mit den Krankenkassen.

Dieser Argumentation schließen sich auch die Bundesländer an. „Wir setzen uns für regionale Lösungen ein“, sagte Niedersachsens Gesundheitsministerin Cornelia Rundt (SPD). „So lässt sich der Aufbau unnötiger bürokratischer Strukturen am besten vermeiden.“ Die maximale Wartezeit von vier Wochen sei jedoch einzuhalten.

Während die AOK Niedersachsen sich der Initiative gegenüber aufgeschlossen zeigt, sind die Ersatzkassen strikt dagegen. „Die Ärzteschaft hatte lang genug die Chance, das Problem zu regeln und hat diese Chance nicht genutzt“, sagte Landeschef Jörg Niemann. „Die Politik sollte jetzt keine Angst vor der eigenen Courage bekommen und sich nicht dem Druck der Ärzteschaft beugen, die Vorgaben wieder aufzuweichen.“

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