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Niedersachsen Wölfe zum Abschuss frei – neuer Streit in Niedersachsen
Nachrichten Politik Niedersachsen

Wölfe: Lockerung des Tötungsverbots heftig umstritten

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00:18 25.05.2019
In Zukunft dürfen auch gleich mehrere Wölfe auf einmal abgeschossen werden. Quelle: Swen Pförtner/dpa
Hannover

Die Pläne der Bundesregierung, den Abschuss von Wölfen zu erleichtern, haben in Niedersachsen für teilweise heftige Reaktionen gesorgt. Naturschutzverbände und Grüne lehnten eine entsprechende Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes ab. Das Landvolk, der Schafzuchtverband und die FDP befürworteten die neue Regelung. Auch Umweltminister Olaf Lies (SPD) begrüßt die Einigung in Berlin. „Die Menschen müssen die Gewissheit haben, dass ein handlungsfähiger Staat problematische Wölfe auch entnimmt. Dafür brauchen wir dringend Rechtssicherheit“, sagte Lies am Mittwoch.

Bundesregierung will Schwelle für Abschuss senken

Die Bundesregierung will die Schwelle für den Abschuss von Wölfen senken, wenn Tierhaltern durch das Raubtier Schäden drohen. Das hat das Bundeskabinett am Mittwoch beschlossen, das Parlament muss noch darüber beraten. Demnach dürfen Wölfe – auch mehrere auf einmal – künftig getötet werden, wenn ein „ernster“ Schaden vorhanden ist oder droht. Bislang ist das nur bei „unzumutbarer“ oder „existenzgefährdender“ Belastung erlaubt. Nach dem Gesetzentwurf von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) soll der Abschuss von Wölfen auch dann ermöglicht werden, wenn unklar ist, welches Tier genau zum Beispiel die Schafherde angegriffen hat.

Die Naturschutzverbände Nabu und BUND kritisierten, dass die geplante Regelung die Rudelstrukturen der Wölfe willkürlich zerstöre, was wiederum zu vermehrten Weidetierrissen führen könnte. Die Politik trete den Artenschutz mit Füßen, erklärte die Landesgeschäftsführerin des Naturschutzbundes BUND in Niedersachsen, Susanne Gerstner. Der Nabu fragte, ob die Landesregierung die Wiederausrottung des Wolfes wünsche. „Damit würden auch Tiere abgeschossen, die nie Probleme verursacht haben oder verursachen werden“, sagte Nabu-Landeschef Holger Buschmann.

Lies: Tötungen durch Bürger müssen streng bestraft werden

„Dass nach Nutztierrissen jetzt nicht nur die Problemwölfe, sondern auch alle übrigen Wölfe in der Nähe getötet werden können, ist ganz offensichtlich ein Schnellschuss der Bundesregierung vor den Europawahlen“, sagte Grünen-Fraktionsvize Christian Meyer. „Die Absicht, das Bundesnaturschutzgesetz zu ändern, ist ein längst überfälliger Schritt, um der Gefahr weiterer Wolfsrisse entgegenzuwirken“, erklärte dagegen der FDP-Landtagsabgeordnete Hermann Grupe. Die Schafzüchter sprachen von einer „enormen Erleichterung“.

Den Abschuss muss in jedem Fall die zuständige Landesbehörde genehmigen, die dabei einen gewissen Ermessensspielraum haben soll. Das niedersächsische Umweltministerium betonte, dass die Regelung den bereits beschlossenen Abschuss des Rodewalder Rüden nicht erleichtern werde.

Minister Lies wies zudem darauf hin, dass eigenmächtige Tötungen von Wölfen durch Bürger nach wie vor nicht erlaubt seien. Am Montag war ein toter Wolf in Barmbostel (Gemeinde Südheide) mit einer Schusswunde gefunden worden. „Ein solcher Fall muss verfolgt und streng bestraft werden“, sagte Lies.

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Von Marco Seng

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