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Niedersachsen Wolfsburg lockt Ärzte mit 50.000 Euro Prämie
Nachrichten Politik Niedersachsen Wolfsburg lockt Ärzte mit 50.000 Euro Prämie
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00:15 11.02.2015
Von Jens Heitmann
Wer sich als Hausarzt in Wolfsburg nieder lässt, kann seit Neuestem mit bis zu 50.000 Euro Fördergeld rechnen. Quelle: Symbolbild/dpa
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Hannover/Wolfsburg

Noch liegt die ambulante Versorgung der 160.000 Einwohner Wolfsburgs in der Hand von 85 Allgemeinmedizinern. In anderen Großstädten wie Hannover, Braunschweig oder Göttingen ist die Dichte deutlich größer. Im Vergleich zu Landkreisen wie Gifhorn, Soltau-Fallingbostel oder Wolfenbüttel schneidet Wolfsburg mit seinem Umland bereits jetzt schlechter ab. „Noch ist die Situation nicht dramatisch“, sagt Stefan Hofmann, Geschäftsführer der Bezirksstelle Braunschweig der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). „Aber 40 Prozent der Hausärzte in Wolfsburg sind älter als 59 Jahre.“

„Das Beispiel Wolfsburg zeigt, dass der Ärztemangel auch in der Großstadt ankommen wird“, sagt KVN-Bezirkschef Hofmann. Allerdings räumt die Standesorganisation ein, dass der Mangel dort auch viel mit dem Image der Stadt zu tun hat. Schon heute könnten sich in Wolfsburg 22 weitere Hausärzte niederlassen, während das in überversorgten Städten wie Oldenburg oder Osnabrück nicht mehr möglich ist. Aber es kommt keiner: „Hinter Wolfsburg rangiert für viele Kollegen nur noch Lüchow-Dannenberg“, sagt ein Ärztefunktionär in Hannover.

„Wir haben nur VW – das war's“

Damit stehen die Mediziner nicht allein: Auch manche Manager von Volkswagen leben lieber weiter weg; der VfL kann seine Fußballprofis offenbar nur per Vertragspassus dazu bewegen, nicht weiter als 25 Kilometer von Wolfsburg entfernt zu wohnen. Dass die Zentrale und das größte Werk des Autokonzerns VW in der Stadt stehen, beschert dem Kämmerer zwar volle Kassen und den Bürgern ein großes Kultur- und Freizeitangebot - die Ärzte aber hätten davon nur wenig, heißt es: „Hier gibt es kaum Privatpatienten.“ Es fehle der Beamtenapparat einer Universität oder größerer Behörden. „Wir haben nur VW, ein paar Zulieferer und Dienstleister, das war’s.“

Der absehbaren Ärzte-Misere wollen die Verantwortlichen Mitte März mit einer „Praxisbörse“ abhelfen, die Mediziner nach Wolfsburg locken soll - zumindest für ein Wochenende. Die Umworbenen dürfen wählen: „Erleben Sie eine Führung durch die Autostadt, ein Shoppingerlebnis der Extraklasse in den Designer Outlets“, heißt es in der Einladung an die Ärzte. „Oder experimentieren Sie im Phæno und bringen Sie sich und Ihre Familie zum Staunen.“ Anschließend liegen für die Gäste noch Tickets für das Bundesliga-Spiel des VfL gegen den SC Freiburg bereit, auch diese selbstverständlich gratis. Und neben dem „exklusiven Rahmenprogramm“ mit Museums- und Stadionbesuch bietet die Stadt eben auch Bares: Wer sich als Hausarzt nieder lässt, kann seit Neuestem mit bis zu 50.000 Euro Fördergeld rechnen, bis zum Jahresende war die einmalige „Zuwendung“ auf 20.000 Euro begrenzt. „Wir müssen alle Register ziehen“, sagt ein Beteiligter.

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