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Niedersachsen Wolfsburgs Oberbürgermeister wehrt sich gegen Filz-Vorwürfe
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16:04 01.10.2010
Wolfsburgs Oberbürgermeister Rolf Schnellecke (CDU) vor dem Heizkraftwerk von Volkswagen, einer für diese Stadt typischen Kulisse.
Wolfsburgs Oberbürgermeister Rolf Schnellecke (CDU) vor dem Heizkraftwerk von Volkswagen, einer für diese Stadt typischen Kulisse. Quelle: dpa
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Hat der Wolfsburger Stadtwerke-Chef Markus Karp über fast zehn Jahre seine Stellung missbraucht, um das Unternehmen für den CDU-Wahlkampf einzuspannen? Das behauptete der frühere Karp-Vertraute Maik Nahrstedt und löste damit einen politischen Wirbel aus, der mittlerweile die gesamte Republik erfasst hat. Am Montag holten die Beschuldigten nun zum Gegenschlag aus: Wolfsburgs Oberbürgermeister Rolf Schnellecke (CDU) widersprach Nahrstedts Darstellung und lieferte Belege für seine Version. Gleiches kam aus dem Umfeld von Karp, der selbst nicht öffentlich Stellung nehmen will.

Nahrstedt hatte erklärt, er habe einen Stadtwerke-Dienstwagen für Fahrten zu CDU-Terminen genutzt, ebenfalls ein Diensthandy und einen dienstlichen Laptop. Er sei auf Betreiben von Karp halbtags für den CDU-Wahlkampf von der Arbeit bei den Stadtwerken freigestellt worden. Zwei Vorgesetzte von Nahrstedt haben dies bestätigt.

„Das kann nicht stimmen“, sagte dazu am Montag der Wolfsburger Oberbürgermeister. „Wenn die Vorgesetzten von einer solchen Veruntreuung öffentlicher Gelder erfahren hatten, dann hätten sie dagegen einschreiten müssen.“ Der Vorwurf, Karp habe über einen inzwischen verstorbenen Prokuristen die Freistellung Nahrstedts eingefädelt, lasse sich nicht belegen. „Als das laut Nahrstedt vereinbart worden sein soll, war Karp noch nicht im Aufsichtsrat.“

Nahrstedt hatte mehrere Wahlkampagnen erwähnt, bei denen er tätig gewesen sein und Dienste über die Stadtwerke abgerechnet haben will – darunter Schnelleckes OB-Wahlkämpfe 2001 und 2006 sowie der CDU-Landtagswahlkampf 2003. Die Landes-CDU erklärte, dass Nahrstedt seine Dienste 2002 und 2003 über die Partei abgerechnet hatte. Schnellecke sagte gestern, er schließe für seine beiden Wahlkämpfe eine Finanzierung über die Stadtwerke aus. „Alles ist lückenlos belegt, jeder Bleistift“, betonte der Oberbürgermeister. Zwei Agenturen habe er beauftragt und allein für den Wahlkampf 2001 eine sechsstellige Summe bezahlt. Auch die Fotos zu seinem 60. Geburtstag habe er privat finanziert, nicht über die Stadtwerke. „Mir soll offenbar etwas untergeschoben werden“, meinte Schnellecke. Falls Nahrstedt tatsächlich die Stadtwerke dafür beansprucht haben sollte, wäre dies „ein eigenmächtiger Freiraum“ von ihm gewesen. Schnellecke veröffentlichte zudem Mails von Nahrstedt, aus denen hervorgeht, dass er von CDU-Funktionsträgern nur außerhalb seiner Arbeitszeit auf seinem privaten Handy angerufen werden wollte.

Aus Karps Umfeld hieß es, Karp habe Nahrstedt über die Jahre insgesamt mehr als 20.000 Euro für seine Wahlkampfdienste als Honorar erstattet. Das Karp-Lager sieht den Konflikt im Zusammenhang mit dem Streit über die Frage, ob die Stadtwerke oder e.on die Energieversorgung in Wolfsburg leisten sollen. Karp stand für die Stadtwerke, die von Nahrstedt genannten Zeugen sind inzwischen führende Vertreter beim Tochterunternehmen, an dem e.on beteiligt ist.

Unterdessen wird die Atmosphäre in Wolfsburg immer angespannter: Am Wochenende sollen Mitarbeiter von Karps Vorstandskollegen Torsten Hasenpflug dabei beobachtet worden sein, wie sie Akten aus den Stadtwerken herausgeschleppt haben. Sollten brisante Unterlagen beiseitegeschafft werden?

Klaus Wallbaum und Ulrich Franke

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