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Niedersachsen Wulff und Glaeseker: Das Ende eines Teams
Nachrichten Politik Niedersachsen Wulff und Glaeseker: Das Ende eines Teams
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06:15 24.08.2012
Von Klaus Wallbaum
Ein Bild aus besseren Tagen: Niedersachsens damaliger Ministerpräsident Christian Wulff (l.) im Gespräch mit dem damaligen Regierungssprecher Olaf Glaeseker. (Archiv) Quelle: dpa
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Hannover

Es ist die Chronik einer tragischen Beziehung – manche sprechen gar von zerstörter Freundschaft. Die Ursache dafür dürfte bei Wulff liegen.

Gegen beide Männer ermittelt immer noch die Staatsanwaltschaft, voraussichtlich im Herbst liegen Ergebnisse vor. Wulff wird vorgehalten, zu enge Beziehungen zum Filmunternehmer David Groenewold gepflegt zu haben. Er ließ sich vermutlich von dem Geschäftsmann einladen; dies könnte eine Gegenleistung für eine Landesbürgschaft zugunsten von Groenewolds Firma gewesen sein – was eine verbotene Vorteilsnahme wäre. Glaeseker wird vorgehalten, bei der Vorbereitung des „Nord-Süd-Dialogs“ 2009 für den Eventmanager Manfred Schmidt auf Sponsorensuche gegangen zu sein. Kostenlose Urlaube, die Glaeseker und seine Frau auf Schmidts Anwesen verbracht hatten, könnten eine Gegenleistung dafür gewesen sein. Wenn das so war, hat es zumindest den Ruch von Korruption.

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Ob Wulff und Glaeseker angeklagt werden, hängt nun von den Details ab. Wulff bestreitet, dass Groenewold ihn eingeladen hat. Er habe Urlaubsaufenthalte auf der Insel Sylt, deren Kosten der Unternehmer vorgestreckt hat, privat nachgezahlt. Dazu will Wulff Bargeld, das seine Schwiegermutter seiner Frau gegeben habe, verwendet haben. Ob die Version den Staatsanwälten schlüssig erscheint, ist unklar. Wulffs Frau und Schwiegermutter müssten Wulffs Version wohl mit eigenen Aussagen bestätigen, das soll aber noch nicht geschehen sein. Die Ermittler suchen weiter nach Hinweisen, die die Beziehung von Wulff zu Groenewold aufhellen können. Der Ausgang des Verfahrens gegen Wulff ist völlig offen, heißt es.

Im Fall von Glaeseker liegt die Sache anders. Hier gibt es Hinweise, dass eine Anklage bevorstehen kann. Einerseits hat der Regierungssprecher intensiv für den Nord-Süd-Dialog, an dem Schmidt kräftig verdient hat, die Werbetrommel gerührt und Sponsoren motiviert. Andererseits besuchte er mehrfach Schmidt in dessen Urlaubsdomizilen. Aber: Beide sind seit mehr als 15 Jahren befreundet, haben sich schon lange vor dem Nord-Süd-Dialog gegenseitig zu Urlauben eingeladen. Dies ist ein entlastendes Detail für Glaeseker. Ein anderes könnte darin liegen, dass der Regierungssprecher die Werbetrommel für die Party eben nicht aus eigenem Antrieb, sondern auf Wunsch von Wulff gerührt hatte. Doch die Zeugenaussage Wulffs im Verfahren gegen Glaeseker klingt eben ganz anders.

Von den Urlauben bei Schmidt will Wulff, sein Chef, eben nichts gewusst haben – obwohl einmal sogar Wulffs frühere Ehefrau und seine Tochter mitgereist waren. Schließlich hatten Glaesekers die Aufgabe übernommen, nach der Scheidung einen Puffer zwischen Wulff und seiner geschiedenen Frau Christiane zu bilden. Eine Beteiligung an der Sponsorensuche für den Nord-Süd-Dialog hat Wulff als Zeuge gegenüber der Staatsanwaltschaft offenbar auch bestritten. Doch es gibt andere Zeugen, die Beispiele dafür kennen wollen, wie Wulff sich damals persönlich um Sponsoren für diese Party bemüht hat.

Über die Gründe der Wulff-Aussage kann nur spekuliert werden. Bestreitet er die Mitwisserschaft an Glaesekers Aktivitäten, um nicht als Anstifter oder wegen Beihilfe in Mitverantwortung gezogen zu werden? In diesem Fall würde er seinen langjährigen Sprecher als Einzeltäter hinstellen, der aus eigener Initiative handelte und Grenzen überschritt. Glaeseker dürfte diese Zuschreibung nicht auf sich sitzen lassen – er hat für seine Version, alle wesentlichen Schritte als loyaler Mitarbeiter mit Wulff abgestimmt zu haben, viele Zeugen aufzubieten. Ein möglicher Versuch Wulffs, sich auf Glaesekers Kosten reinzuwaschen, wäre so rasch zu entkräften.

Kurz vor Weihnachten hatte Wulff Glaeseker abgelöst und in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Monatelang hatten sich beide nicht gesehen, die Einladung zu Wulffs Geburtstagsparty im Juni kam für Glaeseker überraschend. Wenige Tage vorher hatten sich beide noch einmal länger unterhalten. Dabei muss die Abkühlung der Beziehung dieser beiden Männer, die über viele Jahre ein erfolgreiches politisches Team gewesen waren, spürbar gewesen sein.

Weggefährten von Wulff sagen, dass der Alt-Präsident unter seinem politischen Scheitern leidet, bei sich bis heute keine Schuld sieht und auf eine volle Rehabilitierung setzt. Er hofft offenbar, nach dem Ende des Strafverfahrens gegen ihn wieder zum gefragten politischen Ratgeber in allen tagespolitischen Angelegenheiten werden zu können. Für Glaeseker hingegen steht wohl viel mehr auf dem Spiel, bei ihm geht es um die blanke Existenz. Sollte er angeklagt und verurteilt werden, droht ihm am Ende auch der Verlust der Altersbezüge.

Wie es heißt, überlegt er jetzt, ein Buch zu schreiben. Als Journalist ist er das schnelle Schreiben gewohnt. Das Werk könnte vom Zerfall einer vermeintlich wunderbaren Männerfreundschaft handeln. Da kann der frühere Pressesprecher aus einem großen Wissens- und Erfahrungsschatz schöpfen.

20.08.2012
Klaus Wallbaum 20.08.2012
Klaus Wallbaum 18.08.2012