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Niedersachsen Wulffs Sommerreise: Alles dreht sich um den Wechsel
Nachrichten Politik Niedersachsen Wulffs Sommerreise: Alles dreht sich um den Wechsel
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21:55 23.06.2010
Von Klaus Wallbaum
Will auch im Schloss Bellevue ans Steuer: Wulff mit Azubis auf einem historischen Porsche-Trecker. Quelle: dpa
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Für eine angeregte Konversation ist das nicht der richtige Ort. Als Christian Wulff am Mittwochnachmittag auf dem Hof der Bootswerft Hatecke im Kreis Stade steht, umgeben von Arbeitern im Blaumann, will er ein Gespräch beginnen. „Haben Sie irgendwelche Fragen an mich?“, will der CDU-Politiker wissen. Alles schweigt. „Welche Berufsausbildung brauchen Sie denn?“ Ein Vorarbeiter antwortet knapp: „Bootsbauer.“ Wulff wechselt das Thema: „Schauen Sie heute alle Fußball?“ Einer aus der Menge sagt „jo“. Wieder Schweigen. Und wann ist Feierabend, will der Ministerpräsident wissen. „Bald“, entgegnet es ihm. Die Uhr zeigt kurz vor 16 Uhr, Wulff zieht weiter.

Die Menschen an der Küste sind eben so, meint einer aus dem Begleittross. „Die sagen selten mehr, als nötig ist.“ Wenn Christian Wulffs diesjährige Sommertour um ein Thema kreist, dann ist es das seines wohl bevorstehenden Wechsels ins Amt des Bundespräsidenten. Wulff nimmt es äußerlich gelassen, scherzt sogar darüber.

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Im Wolfcenter in Dörverden hat ihm ein Zoologe erklärt, dass unter den Wölfen die „Alphatiere“, also die Machtbewussten und Vorwärtsstrebenden, gar nicht den größten Einfluss haben. Die Leitwölfe, die im Hintergrund wirken, seien in Wahrheit viel mächtiger. Ein Leitwolf als Bundespräsident gegenüber einer Kanzlerin als „Alphatier“? Wulff kommentiert solche Fragen nicht, genießt es aber, wenn die rund 60 Journalisten darüber grübeln. Wulff gibt sich betont locker, trägt Jeans und ist immer zu kleinen Scherzen aufgelegt. Fast immer. Als er am Nachmittag mit verfassungsrechtlichen Zweifeln am reibungslosen Übergang von Ministerpräsidenten- zu Bundespräsidentenamt konfrontiert wird, eine alte, aber in einigen Medien nach wie vor hoch gewichtete Frage, reagiert er unwirsch. In solchen Momenten merkt man, wie nervös der CDU-Politiker ist. Die vergangenen Wochen gehören zu den stressigsten in seinem Leben, zumal die Bundespräsidentenwahl nicht gerade in eine Phase hoher politischer Stabilität fällt und vieles noch unklar bleibt.

Viel kann Wulff an der Situation nicht ändern. Also bemüht er sich wenigstens um schöne Fernsehbilder. Ein Ministerpräsident, der mit dem Gabelstapler umherfährt, der sich ins Wolfsgehege traut, der sich auf einen der 20 Meter hohen Stützkräne für Offshore-Windkraftanlagen hieven lässt und sagt: „Die Schlagzeile kenne ich: Immer hoch hinaus.“ Oder wie er in ein Rettungsboot klettert und anschließend nicht wieder herauskommt, weil jemand die Leiter weggenommen hat. Dann kommen oft kleine Anspielungen der Gastgeber – man bedaure seinen Weggang, sähe ihn lieber in der aktiven Politik, halte ihn für zu jung als Staatsoberhaupt oder wünsche ihm Glück für das angestrebte hohe Amt. Wie fühlt er sich, wird Wulff am Abend gefragt. „Die Tage vergehen wieder schneller“, sagt er, und das sei ein gutes Zeichen. Um seine Wahlchancen stehe es jetzt zunehmend besser – allen Unwägbarkeiten zum Trotz.

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