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Niedersachsen Mit Volldampf aufs Abstellgleis?
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00:15 22.07.2013
Von Saskia Döhner
Bei der Bewältigung des wachsenden Güterverkehrs von den Häfen ins Binnenland setzt Niedersachsen vor allem auf den Bau der Y-Trasse. Quelle: dpa
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Hannover

Um die Alternativrouten wird genauso hitzig gestritten wie seit Jahren um die Y-Trasse selbst. Eine Schnelltrasse zwischen Hannover, Hamburg und Bremen soll vor allem beim Güterverkehr von den Häfen für Entlastung sorgen. Vor gut zwei Monaten hat die Deutsche Bahn erstmals Alternativen zur Y-Trasse vorgestellt. Seitdem tobt eine heftige Auseinandersetzung, die durch den laufenden Bundestagswahlkampf noch einmal befeuert wird. Niemand will die Bahntrasse vor seiner Haustür haben.

Eine Variante ist eine Trasse für Güterzüge in Form eines Y mit einer Neubaustrecke zwischen Maschen bei Hamburg, Soltau und Celle und dem Ausbau der sogenannten Amerikalinie zwischen Langwedel (Kreis Verden) und Soltau. Wenn man die Strecke dann auch noch gen Osten bis Uelzen erweitert, wird aus der Y-förmigen Verbindung eine X-Trasse. Die zweite Möglichkeit ist der Ausbau der bestehenden Strecke zwischen Maschen und Celle über Lüneburg und Uelzen. Zudem sind zusätzliche Gleise zwischen Nienburg und Wunstorf (Region Hannover) vorgesehen. Die dritte Lösung setzt auf eine Neubaustrecke von Maschen bis Unterlüß bei Celle. Auch diese Variante beinhaltet die Erweiterung im Abschnitt von Nienburg nach Wunstorf.

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Bei der Beurteilung der Varianten sind sich selbst Parteifreunde nicht einig. Während der Rotenburger CDU-Bundestagsabgeordnete Reinhard Grindel klar die dritte Lösung favorisiert, plädiert der Celler Politiker Henning Otte für die alte Y-Trasse als reine Güterstrecke. „Wir brauchen eine Lösung, die schnell greift“, sagt Grindel. Und das wäre bei der Verbindung Maschen-Unterlüß der Fall. Sie sei schon zu zwei Dritteln fertig, mit Kosten von 2,5 Milliarden Euro die günstigste und für Mensch und Natur die schonendste Route. Hier seien nur 5000 Haushalte betroffen, bei den anderen Möglichkeiten wären fünf- oder zehnmal so viele Anwohner in Mitleidenschaft gezogen. Eine reine Neubaustrecke bringe erst viel später Entlastung.

Nach Ansicht Ottes wäre jedoch die ursprüngliche Y-Trasse am schnellsten umzusetzen. „Hier gibt es schon ein abgeschlossenes Raumordnungsverfahren, das hat keine der Alternativstrecken.“ Wichtig sei die optimale Anbindung aller deutschen Nordseehäfen an die Schiene.

Scharfe Kritik für Grindels Routenempfehlung kommt vom Celler Landrat Klaus Wiswe (ebenfalls CDU): „Ich habe durchaus Verständnis, wenn Bundestagsabgeordnete das Wohl ihres Wahlkreises im Auge haben. Wie jedoch Herr Grindel das - vermeintliche - Wohl seines Wahlkreises über alle anderen Interessen und das Wohl der übrigen Allgemeinheit stellt, ist schon bemerkenswert.“ Welche Variante der Kreis Celle selbst bevorzuge, wolle man erst entscheiden, wenn Ende des Jahres die gesamtwirtschaftliche Bewertung der Bahn vorliege, sagt eine Sprecherin.

Auch Celles Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD) hält sich zurück. Wichtig sei, dass eine zügige Hinterland­anbindung für die Überseehäfen komme und Celle nicht vom Fernverkehr auf der Schiene abgehängt werde - das wäre bei der alten Y-Trasse der Fall, sagt er. Ein drittes Gleis wäre schön, fügt Mende noch hinzu: „Entscheidend ist nicht, wie viele Gleise durch Celle führen, sondern wie wir den Lärmschutz organisiert bekommen.“

„Schon jetzt haben wir Engpässe im Güterverkehr zwischen Hannover, Hamburg und Bremen“, betont Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD). Neben dem zügigen Ausbau vorhandener Strecken und der Ertüchtigung von Nebenstrecken, auch nicht bahneigener, brauche man eine sogenannte große Lösung. Deshalb habe das Land die Y-Trasse mit den Alternativrouten als Projekt für den nächsten Bundesverkehrswegeplan 2015 angemeldet. Auch für Lies ist klar: „Die Lösung muss eine gute Anbindung des Jade-Weser-Ports beinhalten, eine Variante, die etwa nur Hamburg mit Hannover verbindet, scheidet aus unserer Sicht aus.“

Dirk Eberle, Sprecher der Anti-Y-Trassen-Initiativen, warnt vor zu viel Streit um Strecken, die möglicherweise niemals realisiert werden. Er wünscht sich einen „wirklich offenen Dialog mit allen Beteiligten“. Bahn-Chef Rüdiger Grube hatte dies versprochen.

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