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Niedersachsen Zeugniseintrag soll junge Menschen fürs Ehrenamt begeistern
Nachrichten Politik Niedersachsen Zeugniseintrag soll junge Menschen fürs Ehrenamt begeistern
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08:30 05.05.2011
Von Klaus Wallbaum
Die CDu will Jugendliche für ehrenamtlichen Tätigkeiten motivieren. Quelle: dpa
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Warum soll ein Schüler, dessen Noten eher mittelmäßig sind, nicht sein starkes ehrenamtliches Engagement offiziell von der Schule bescheinigt bekommen? Die Möglichkeit dazu gebe es tatsächlich schon seit 1997, sagte Ministerpräsident David McAllister am Mittwoch beim „Zukunftskongress“ der CDU in Hildesheim. Weithin bekannt jedoch sei dies nicht – dabei könne doch der Vermerk für spätere Bewerbungen des Jugendlichen sehr nützlich sein. „Viele Firmen legen Wert auf Leute, die sich uneigennützig für wichtige Ziele einsetzen“, betonte der Regierungschef, „nicht allein Leistung zählt.“

Beim „Zukunftskongress“ haben sich mehrere Hundert Mitglieder und Gäste der CDU mit der Frage beschäftigt, wie man nach dem Wegfall von Wehrpflicht und Zivildienst mehr Menschen dafür begeistern kann, sich selbstlos für andere einzusetzen. Dabei befinde man sich in einem Dilemma, schilderte die Vizelandesvorsitzende Elisabeth Heister-Neumann: Die Schüler seien gedrillt, früher in den Beruf zu kommen, die Schulzeit sei dafür verkürzt worden, der Leistungsdruck wachse und die Wirtschaft erwarte gute Absolventen wegen des Fachkräftemangels. Wie könne von den Schülern dann noch soziales Engagement erwartet werden?

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„Ausbildung, früher Berufsstart, Familiengründung und dann noch Ehrenamt – wir dürfen die jungen Menschen auch nicht überfordern“, warnt McAllister. Starke Kräfte in der Landes-CDU lehnen deshalb auch ein verpflichtendes Dienstjahr für alle jungen Menschen ab. Seine Landesregierung werde aber alles tun, die Anreize für freiwillige gemeinnützige Arbeit zu verbessern, betonte der Ministerpräsident – zur Not auch über Steuerrechtsänderungen, die auf Bundesebene angeschoben werden müssten.

Als Gast der Niedersachsen-CDU trug Hermann Kues, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfamilienministerium, die Eckpunkte für einen neuen „Bundesfreiwilligendienst“ vor. Er lehnt sich an den bisherigen Zivildienst an und sieht den Einsatz nicht nur für soziale und ökologische Projekte vor, sondern auch für kulturelle (etwa für ein Theater oder einen Zirkus), für sportliche und für Vorhaben der Integration von Migranten. In der Regel soll der Dienst ein Jahr dauern, mindestens aber sechs und höchstens 24 Monate.

Das Angebot richtet sich an Frauen und Männer nach Erfüllung der Schulpflicht, für Menschen über 27 soll auch eine Teilzeitbeschäftigung möglich sein. Das Taschengeld soll 330 Euro monatlich nicht übersteigen, der Diensthabende soll kranken- und rentenversichert sein, Kindergeld soll weiterhin gezahlt werden. Unterkunft und Verpflegung sollen gestellt werden. Nach Kues’ Worten könnten 35.000 junge Menschen bundesweit in diesem Dienst tätig werden. Für das erste Jahr rechne man aber mit 14.000, denn die Werbekampagne beginne erst – und viele entschieden sich im Herbst für das dann folgende Jahr.

McAllister richtete noch eine Forderung an den Bund, was Senioren angeht: Es dürfe nicht länger sein, dass Schöffen schon mit 70 aufhören müssten. „Auch ältere Leute sollen noch Recht sprechen können, wenn sie das wollen.“

kw