Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Niedersachsen Zoff zwischen Niedersachsen und Bremen wegen Atomtransport
Nachrichten Politik Niedersachsen Zoff zwischen Niedersachsen und Bremen wegen Atomtransport
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:11 09.09.2009
Zwischen Niedersachsen und Bremen ist ein Streit um den geplanten Atomtransport aus Sellafield entbrannt. Quelle: ddp (Symbolbild)
Anzeige

Das Innenministerium in Hannover warf den Bremern am Mittwoch wahlkampftaktisches Vorgehen vor. Bremen hingegen kritisiert, Niedersachsen wolle den Atomtransport abwälzen.

Mit der Ablehnung habe man nur auf einen Brief vom niedersächsischen Innenministerium reagiert, sagte Bremens Senatssprecher Hermann Kleen am Mittwoch und wies den Vorwurf der Wahlkampftaktik zurück. Der Brief mit der Bitte, den Transport über seine Häfen abzuwickeln, sei Anlass für den Beschluss des Senats gewesen. Bremen lehne den Transport wegen Sicherheitsbedenken und aus politischen Gründen ab, unterstrich Kleen die Haltung von Regierungschef Jens Böhrnsen (SPD). „Es ist absurd, dass unser Land für die Atom-Lobby den Ausputzer spielen soll“, sagte er.

Anzeige

Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) hatte Böhrnsen zuvor Unredlichkeit vorgeworfen. Es sei falsch, wenn Bremen behaupte, dass Niedersachsen den Transport aus Sellafield ins niedersächsische Grohnde abgelehnt hat. In einem Interview sagte er, er sei „stocksauer“. Zudem kritisierte der Innenminister, dass sich Bremen gegen den Transport wehrt. „Man kann sich nicht einfach in die Büsche schlagen und sagen: Ich will das nicht.“

Schünemanns Sprecher Klaus Engemann verwies in diesem Zusammenhang am Mittwoch auch auf internationale Verträge, die zu der Rücknahme der Brennelemente verpflichteten. „Der Transport muss also durchgeführt werden.“ Die Aufregung über die Transportroute sieht er vor allem durch die Besonderheit der Einbindung eines Hafens. Die Ablehnung Bremens sei jedoch eine „politische Meinungsäußerung“. Schließlich gebe es „fast täglich“ solche Transporte von Brennelementen. Allein in diesem Jahr seien schon sechs solcher sogenannte MOX-Transporte über deutsche Straßen gerollt.

Wie und wann der Transport der plutoniumhaltigen Brennelemente nun erfolgen kann, bleibt mit der Diskussion ungewiss. Ursprünglich war geplant, die Brennelemente aus der Wiederaufbereitungsanlage Sellafield zum Atomkraftwerk Grohnde bei Hameln im Herbst über Cuxhaven zu transportieren. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), das für die Genehmigung des Transports zuständig ist, legt sich jedoch derzeit nicht fest, bis wann die Genehmigung erfolgt. Cuxhaven selber wurde als Umschlagsplatz vom Antragssteller bereits zurückgenommen. Nun sucht das Unternehmen nach Alternativ-Routen. Als Optionen sind derzeit Nordenham und Emden im Gespräch.

Durch die Diskussion über die Route könnte sich nun aber das Antragsverfahren in die Länge ziehen, da der Antragssteller, die Firma Nuclear Cargo and Service (NCS) mögliche Sicherheitsbedenken beachten muss. Ansonsten könne es eine Genehmigung durch das BfS nicht geben, sagte ein Sprecher der Behörde. Die NCS wollte am Mittwoch keine Stellungnahme zu möglichen Verzögerungen abgeben.

ddp