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Niedersachsen Zuchtbetrieb darf weiter männliche Küken vergasen
Nachrichten Politik Niedersachsen Zuchtbetrieb darf weiter männliche Küken vergasen
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16:29 19.05.2011
Das Vergasen von Küken wird nicht nur von Lohmann praktiziert, nach Schätzungen von Tierschützern werden jährlich bis zu 40 Millionen männliche Tiere in Deutschland auf diese Weise umgebracht. Quelle: dpa

Der wegen möglicher Tierquälerei in die Kritik geratene Cuxhavener Küken-Zuchtbetrieb Lohmann darf weiterhin männliche Küken vergasen. Die Tiere haben wegen ihres Geschlechts wirtschaftlich keinen Wert für das Unternehmen. Der Cuxhavener Kreisrat Günter Jochimsen unterrichtete am Donnerstag den Landwirtschaftsausschuss des Kreistages darüber, dass auf das angekündigte Verbot der Vergasung verzichtet wird.
Hintergrund für den Gesinnungswandel in der Kreisverwaltung ist ein 24-seitiges Schreiben des Zuchtbetriebs, in dem Lohmann anders als bisher konkrete Gründe für die Tötungen nennt. „Die Tierkörper werden als Futter für z.B. Schlangen und Greifvögel verwendet“, heißt es in der Kreistags-Sitzungsvorlage, die der dpa vorliegt. Auch das Agrarministerium in Hannover akzeptiert die Begründung für eine Übergangszeit.

Das Vergasen von Küken wird nicht nur von Lohmann praktiziert, nach Schätzungen von Tierschützern werden jährlich bis zu 40 Millionen männliche Tiere in Deutschland auf diese Weise umgebracht. Lohmann wollte keine Stellung beziehen, erklärte aber, dass im eigenen Betrieb etwa fünf Millionen Küken von der Tötung betroffen seien.

Im Agrarministerium in Hannover sagte ein Sprecher: „Das ist nicht hundertprozentig was wir uns wünschen, aber ein vernünftiger Grund auf Zeit.“ Der Entscheidung habe auch der Tierschutzbeirat des Landes zugestimmt, obwohl er dem Töten generell kritisch gegenüber steht. Wie lange diese Übergangszeit dauern werde, konnte der Sprecher nicht sagen.

Laut Tierschutzplan will Agrarminister Gert Lindemann (CDU) bis 2013 eine tierschutzgerechte Lösung als Alternative zur Vergasung finden. „Das System ist seit 30 Jahren eingespielt und kann nicht in drei Monaten umgestellt werden. Aber es wird nicht auf Dauer Bestand haben.“

Die Opposition im Landtag kritisierte das Vorgehen und bezeichnete Lindemann als „Schaumschläger“, der bewusst die Öffentlichkeit täusche. Dem Minister und dem Landkreis fehle der Mut, sich für Alternativen zum millionenfachen Kükentod einzusetzen.

Lohmann war im Februar dieses Jahres wegen des Vorwurfes der Tierquälerei in die Schlagzeilen geraten. Mitarbeiter sollen zur Optimierung des Zuchtprozesses massenweise Kämme und Zehen von Hühnerküken amputiert haben, hieß es. Die Tierschutzorganisation Peta hatte bereits 2008 bei der Staatsanwaltschaft Bremen Anzeige erstattet.

Der daraufhin für Anfang April angekündigte Prozess gegen die beiden Geschäftsführer war am Ende ohne Angabe von Gründen entfallen. Nach Angaben der „Nordsee-Zeitung“ hatten sich Lohmann und die Staatsanwaltschaft auf eine Millionen-Geldbuße geeinigt, um einer Vorstrafe zu entgehen.

dpa

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