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Niedersachsen Zwischen Kaiserpfalz und Jugendwerkstatt
Nachrichten Politik Niedersachsen Zwischen Kaiserpfalz und Jugendwerkstatt
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10:30 24.07.2012
Von Michael B. Berger
Der SPD-Spitzenkandidat Stephan Weil (l.) und der SPD-Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel stehen am Montag zusammen in der Innenstadt von Goslar. Quelle: dpa
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Goslar

„Wenn Du beim Papst rauskommst, gleich rechts, dann hängt da eine mindestens 1000 Jahre alte Weltkarte. Da ist Jerusalem drauf und Goslar“, erklärt SPD-Bundesvorsitzender Sigmar Gabriel dem SPD-Landesvorsitzenden Stephan Weil. Da habe es Hannover noch gar nicht gegeben, fügt Gabriel noch an.

Keine Frage, der SPD-Bundesvorsitzende kommt aus Goslar. Und ein Goslarer ist stets stolz auf seine Stadt. Und Gabriel, das geht aus seiner Erläuterung glasklar hervor, war schon mal beim Papst. Das hat er Weil, dem hannoverschen Oberbürgermeister, der in Niedersachsen Ministerpräsident werden will, zweifellos voraus. Die beiden stehen an diesem sonnigen Montag nicht zufällig vor der Kaiserpfalz. Das gibt gute Bilder. Und für gute Bilder werden Sommerreisen von Politikern auch gemacht.

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Zwei Wochen begibt sich Stephan Weil in diesem Sommer auf Reisen, in Goslar hat er am Montag den Auftakt gesetzt. Weil sein Gastgeber der örtliche Bundestagsabgeordnete Gabriel ist, zufällig auch SPD-Chef, ist der Tross der aus Berlin dazu angereisten Journalisten ziemlich groß.

Zu Anfang der Tour, die doch Weils Tour sein soll, umlagern sie Gabriel. „Wie geht’s jetzt weiter?“, ruft Weil, der es mag, wenn die Dinge schnell voran gehen. „Nach rechts, Richtung Kaiserpfalz.“ Auf seinem Goslar-Trip macht Weil nicht nur Erkundungen in der Vergangenheit, sondern besichtigt eine Jugendwerkstatt, in der Jugendliche, die es schwer haben, in Holz- oder Fahrradwerkstätten arbeiten.

Auch das Energieforschungszentrum Niedersachsen, an dem 80 Wissenschaftler von fünf Universitäten an Fragen der Energiespeicherung wie auch -gewinnung tüfteln, findet sein Interesse. „Ich mache das nicht nur, weil ich mich vorstellen möchte, sondern ich möchte auch genau hinhören“, sagt der Kandidat Weil, der angesichts neuer, für die SPD guter Umfragen ziemlich guten Mutes ist, am 20. Januar 2013 die Landtagswahlen zu gewinnen - gegen David McAllister, den er, wenig charmant, als „Wackeldackel auf der Hutablage der Kanzlerin“ bezeichnet.

Weil nützt seinen Besuch, zu dem auch eine Exkursion nach Hahnenklee gehört, um ein paar Botschaften loszuwerden. Etwa, dass er eine langfristig angelegte Gebietsreform plant. „Am Ende der Legislaturperiode zwischen 2013 und 2018 werden wir weniger Landkreise als heute haben.“ Diese Fusionen sollten aber nicht erzwungen, sondern von unten entwickelt werden. Auch die von der CDU abgeschafften Bezirksregierungen will er nicht wieder einführen, sondern durch „Bevollmächtigte“ in den Regionen ersetzen.

Aber erst einmal muss er als Kandidat bekannt werden. Auf den Straßen Goslars, keine Frage, weckt sein Gastgeber Gabriel das größere Interesse. Schon wegen der Journalistentraube.

Saskia Döhner 23.07.2012
23.07.2012
Klaus Wallbaum 25.07.2012