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Niedersachsen e.on darf AKW Grohnde wieder anfahren
Nachrichten Politik Niedersachsen e.on darf AKW Grohnde wieder anfahren
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06:48 23.06.2014
Das Atomkraftwerk Grohnde bei Hameln darf vorerst wieder ans Netz.
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Hameln

Der Energiekonzern e.on darf das Atomkraftwerk (AKW) Grohnde bei Hameln wieder anfahren. „e.on hat Freitagabend die Zustimmung erhalten“, erklärte am Samstag ein Sprecher des niedersächsischen Umweltministeriums. Vorangegangen sei der Nachweis der Betreiber, dass umstrittene Reparaturen ordnungsgemäß ausgeführt wurden.

„Wir haben umgehend mit den notwendigen Arbeiten begonnen und sind dabei, die Anlage wieder hochzufahren“, sagte eine e.on-Sprecherin der Nachrichtenagentur dpa in Hannover. Im Laufe des Sonntags solle das AKW wieder am Netz sein, kündigte sie an. Geprüft werde nun, wie hoch der durch die Verzögerung entstandene Schaden sei.

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Ein noch am Freitagabend beim Oberverwaltungsgericht Lüneburg von e.on eingereichter Eilantrag dürfte damit hinfällig geworden sein. Auch die zunächst vom Umweltministerium eingeschaltete Staatsanwaltschaft sieht keinen Anfangsverdacht und wird daher nicht ermitteln.

Das AKW war vor zwei Monaten für eine Routinerevision abgeschaltet worden. Der geplante Neustart wurde vom Ministerium nach Hinweisen auf mögliche Mängel bei der Reparatur gestoppt. Die Anti-Atom-Initiative Ostwestfalen-Lippe hatte beklagt, e.on habe einen Riss an einer 30 Jahre alten Armatur unter Zeitdruck schweißen lassen, damit Grohnde an diesem Wochenende rasch wieder hochgefahren werden könne. Ein Austausch des Teils, das die Atomkraftgegner im nuklearen Bereich der Anlage vermuten, wäre ihrer Meinung nach sicherer gewesen.

E.onnannte die Kritik ein durchsichtiges, politisch motiviertes Manöver, mit dem das Wiederanfahren verhindert werden solle. Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) meinte dazu in einer Mitteilung: „Die meinem Ministerium und mir unterstellten Vorwürfe der politischen Willkür und des Rechtsbruchs weise ich auf das Entschiedenste zurück.“

Die veranlassten Maßnahmen seien streng nach Recht und Gesetz ausgerichtet, der Schutz der Bevölkerung stehe an erster Stelle. Laut Umweltministerium hat auch der TÜV bestätigt, dass alle Reparaturen und qualitätssichernden Maßnahmen sachgerecht ausgeführt wurden. Zudem habe der AKW-Betriebsleiter in einer eidesstattlichen Versicherung die Vorwürfe unzulässiger Reparaturen zurückgewiesen.

Hintergrund: Der Energiekonzern e.on

E.on ist der größte deutsche Strom- und Gaskonzern. Der Energieriese steht allerdings unter massivem Druck: In Europa sinkt nach e.on-Angaben der Strompreis im Großhandel wegen der sinkenden Energienachfrage und des immer größeren Ökostromanteils weiter. Gas- und Kohlekraftwerke ließen sich nicht mehr wirtschaftlich betreiben. Dazu kam der milde Winter, der Anfang 2014 die Energienachfrage und damit das Geschäft drückte: Der um Sonderposten bereinigte Konzernüberschuss fiel in den ersten drei Monaten des Jahres um 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 1,22 Milliarden Euro.

Nach einem herben Gewinneinbruch 2013 beschloss der Konzern, weitere Kraftwerke zu schließen und seine Investitionen zu kürzen. Auch sollen weitere Unternehmensteile verkauft werden. Der nachhaltige Konzernüberschuss, aus dem sich auch die Dividende berechnet, stürzte 2013 um 46 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 2,2 Milliarden Euro ab. Im Geschäftsjahr 2011 hatte das Unternehmen erstmals rote Zahlen in Milliardenhöhe verbucht.

Schon länger bekannt ist, dass Eon bis 2015 rund 11 000 Stellen abbaut, davon 6000 in Deutschland. Derzeit beschäftigt das Unternehmen weltweit rund 61 100 Mitarbeiter, die Zahl sank auch wegen der Beteiligungsverkäufe. Ende 2012 hatte Eon noch gut 72 000 Beschäftigte, rund 7000 weniger als im Vorjahr.

dpa

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