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Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Ein Pfingstwunder für die SPD
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Aus meinem Papierkorb: Ein Pfingstwunder für die SPD

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00:18 10.06.2019
Michael B. Berger Quelle: HAZ

Warum hat er nur das Wort „furchtbar“ verwendet? Er sei „furchtbar gerne“ Ministerpräsident „aus“ Niedersachsen hat Stephan Weil Reportern des NDR auf die Mutter aller Fragen geantwortet: Ob er nicht der nächste SPD-Vorsitzende werden wolle? Furchtbar, so wird Weil wissen, läßt sich steigern: furchtbar, furchtbarer, am furchtbarsten. Oder, wer es volkstümlich möchte, am Fürchterlichsten, was schon ein wenig nach Pfingsten klingt, das vermutlich keine sozialdemokratische Erfindung ist, denn hier geht es um die totale Erneuerung, die Ausgießung des heiligen Geistes. Also kein unterschiedliches Stimmengewirr mehr, keine endlosen Programmdebatten, sondern die schiere Freude. Alle reden mit einer Stimme. Doch, doch, sowas gibt es. Zumindestens in der Bibel. Kopf, hoch, Sozialdemokraten, werdet ein wenig pfingstlicher.

Obwohl es dennoch rätselhaft bleibt, warum Weil so furchtbar gerne MP ist. Oder ist es einfach die Braunschweiger „Mummelleberwurst“, die diesmal als eine der kulinarischen Botschafterinnen Niedersachsens vom MP zum Verzehr freigegeben wurde? Oder der „Eier-Gin“ aus York, das „Wittinger Landbier“ oder die Altländer Apfel-Curry-Soße, die den Regierungschef bei der Delikatessen-Kür so verzückt hat? Neben Produktregentinnen und regionalen Spezialitäten blüht Weil regelrecht auf. Fürchterlich auf.

Verdammnis mit Dienstwagen

Aber es sind schon merkwürdige Zeiten, wenn niemand mehr SPD-Chef oder -chefin werden will und „die Zeit der Egos“ vorbei sein soll, wie Weil kürzlich einem netten Kollegen in den Notizblock diktierte. Da denkt man fast ein wenig wehmütig an Zeiten zurück, als sich Rudi Scharping, Oskar Lafontaine und Gerhard Schröder stritten wie die Flickenschuster, wer denn nun der Schönste im Lande sei, und Andrea Nahles wie Biene Maja das Juso-Reich erkundete. Verdammt lang her. Nur Ulrich Jörges, der unerbittliche „Stern“-Scharfrichter, geistert seitdem noch durch die Talkshows und sagt Sätze wie „die Nahles können Sie vergessen“ oder fordert Weil zum Titelkampf auf. Dabei ist der doch so „furchtbar gern“ in Niedersachsen, während sein schleswig-holsteinischer Kollege Daniel Günther meinte, die GroKo in Berlin sei „zum Regieren verdammt“. Verdammnis mit Dienstwagen. Das hat was.

Übrigens hat diese Woche bei der „Stunde der Gartenvögel“ in Niedersachsen bei manchem die Glocke der Erkenntnis geschlagen. „So viele Menschen wie noch nie zählen Gartenvögel“, schreibt die Deutsche Presseagentur. Und das ist doch schon eine pfingstlich-heitere Nachricht. Mehr als 9600 Menschen haben über 224 000 Vögel gemeldet. Fast jeder Niedersachse hat also mehrere Vögel. Im Garten. Ist doch wunderbar. Nur Mauersegler, Mehlschwalbe und Hausrotschwanz, die besonders viele Insekten zum Verzehr bräuchten, gingen kontinuierlich zurück, bedauert der Naturschutzbund Deutschland. Merke: Wenn schon eine Schwalbe noch keinen Sommer macht, so auch eine SPD-Doppelspitze noch keine Erneuerung. Denn die haben die Grünen schon.

Von Michael B. Berger

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