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Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb 394 Leuchten des Nordens
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Aus meinem Papierkorb: Leuchten des Nordens

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19:34 17.05.2019
Michael B. Berger Quelle: HAZ
Hannover

Wenn das kein Aufbruch ist. Diese Woche ist das neue niedersächsische Europaministerium eröffnet worden, für das zwei Etagen eines hannoverschen Geschäftshauses umgebaut wurden (nicht auf Staatskosten). Und die neu geschaffene Pressestelle des neu geschaffenen Ministeriums verkündet stolz die Bilanz des Aufbruchs. „Menge Abbruchmaterial: 78 Tonnen, Fläche neue Trockenbauwände: 2450 Quadratmeter, Fläche Anstrich: 7217 Quadratmeter.“ Atemberaubend. Aber es geht noch weiter: „Anzahl verbaute Deckenplatten: 6483 Stück, Anzahl Steckdosen: 720  Stück.“ Die Anzahl der Deckenleuchten wird übrigens auf 394  Stück taxiert. Merke: Der Letzte macht das Licht aus. Das könnte im Ministerium für Europa zur Sisyphusarbeit werden, wenn man nicht wüsste, dass sich rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um 145 Lichtschalter kümmern können. Europa leuchtet, mitten in Hannovers City!

Traurige Tropfen?

Wie jetzt den Übergang zu einer Erfolgsmeldung des Landvolkverbandes finden, das Niedersachsen als neues Land des Weinbaus feiert? Vom leuchtenden Europa zum goldenen Oktober? Aber Tatsache ist: Immer mehr „Pioniere“ verlegen sich, man höre und staune, im Bundesland des Stintes auf den Weinbau. Acht neue Flächen seien im vergangenen Jahr genehmigt worden, vom Ammerland bis nach Südniedersachsen, einem Landstrich, den Ministerpräsident Stephan Weil (keineswegs weinumnebelt, er trinkt nur Bier) einst als „Toskana des Nordens“ tituliert hatte. Die Sorten sollen übrigens „Helios“, „Solaris“ und „Regent“ heißen und sich durch besonders wetterfeste Reben auszeichnen. Was bleibt ihnen auch anderes übrig.

Die schönsten Landtagsdebatten liefert übrigens das Hohe Haus am hannoverschen Hohen Ufer, wenn es um Landwirtschaft, Blühstreifen und das Artensterben geht (gerade bei Insektenarten fielen uns da eine Menge ein, die dem Vergessen anheim fallen dürften, doch wir wollen den Schöpfer nicht kritisieren). Den schönsten Satz lieferte diese Woche der FDP-Abgeordnete Hermann Grupe, der von früheren Zeiten schwärmte, „als noch die Kuhfladen ausgefahren wurden“. Das sei, sagte Grupe, „eine richtige Party für das Insektenleben“ gewesen. Merke: Hier spricht ein Mann vom Fach.

Von Michael B. Berger

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