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Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Von DFB-Bossen und Aprilscherzen
Nachrichten Politik Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Von DFB-Bossen und Aprilscherzen
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18:01 05.04.2019
Michael B. Berger Quelle: HAZ

Nichts kann das Männerherz so rühren wie die Rücktrittsgesänge wackelnder Raffzähne. Er sei fassungslos über den Fehler, der ihm da unterlaufen sei, sagte DFB-Boss Reinhard Grindel, als er zu Beginn der Woche seinen Rücktritt erklärte. Er habe gar nicht gewusst, was für eine Uhr ihm da von einem ukrainischen Finanzmagnaten geschenkt worden sei. Als wüßte nicht jedes Kind, was eine Rolex ist. Aber es kommt noch schlimmer: Es sei für ihn ein „Gebot der Höflichkeit“ gewesen, dieses Geschenk anzunehmen, stammelte der frühere Bundestagsabgeordnete. Als ob es nicht schon per se merkwürdig ist, wenn sich erwachsene Männer Luxusuhren schenken. Was für ein jämmerlicher Rücktritt, gepaart mit Heuchelei und Selbstmitleid. Natürlich habe er „nichts Unrechtes getan“, natürlich nicht. Was soll man auch machen, wenn Freunde einem einfach Luxusuhren aufdrängen oder noch einmal 78 000 Euro auf dem Konto aus irgendwelchen Aufsichtsratsmandaten landen? Da ist man einfach „fassungslos“.

Vielleicht sollte Jan Böhmermann mal ein „Schmähgedicht“ auf den DFB und dieses Gegrindele verfassen. Allemal sinnvoller, als Kanzlerin Angela Merkel zu verklagen, weil die Böhmermanns Machwerk über den Sultan am Bosporus als „bewusst verletzend“ einstufte, obwohl der kleine Satiriker vermutlich nur unbewusst von Männern geschrieben hat, die es mit Ziegen treiben. Hohoho, was haben wir gelacht. Und auch der anstehende Prozess gehört gewiss nicht zu den satirischen Höhepunkten dieses Monats. Aber was soll man dazu noch sagen, in Zeiten, in denen Satiriker zu Präsidenten gewählt werden und Präsidenten sich wie Clowns gerieren. Ganz ohne rote Nase und überdimensionierte Schlappen an den Füßen. God bless America.

Es ist gewiss kein Zufall, dass in Zeiten wie diesen der Aprilscherz völlig aus der Mode gekommen ist, zumal verblödende Massen immer weniger den feinen Wert der Ironie schätzen, sondern sogleich nach dem Scharfrichter rufen, wenn sie etwas gar nicht oder sogleich falsch verstehen. Umso mutiger präsentierte sich diese Woche Niedersachsens DGB, als er am 1. April in einer Pressemitteilung erklärte, dies sei ein „guter Tag für alle werktätigen Bienen“, weil sich der „Bund bestäubender Bienen (BBB)“ als neuntes Mitglied dem DGB zugesellt habe. Warum sich die fleißigen Bienen dort organisierten „und welch tierisches Potential sich dadurch entfaltet“, erkläre eine Extra-Postille. April, April.

Wir sind ja schon dankbar, wenn in Pressemitteilungen etwas abgerüstet wird und nicht ständig die „Alarmglocken schellen“, irgendwelchen politischen Gegnern „schallende Ohrfeigen“ versetzt werden, als sei die Prügelstrafe nicht längst abgeschafft oder „Startschüsse gesetzt“ werden, als liefen wir ständig nur im Kreis herum und um die Wette. Vorbildlich dagegen eine stimmige Meldung aus dem Landwirtschaftsministerium: „Engagement für Öko-Obst trägt Früchte“. Na also, geht doch.

Von Michael B. Berger

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