Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Von Dienstwaffen und Pflugscharen
Nachrichten Politik Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb

Aus meinem Papierkorb: Von Dienstwaffen und Pflugscharen

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:47 30.08.2019
Michael B. Berger Quelle: HAZ

Sage keiner, in Niedersachsen könne man nicht gut mit Dienstwaffen der Polizei umgehen. Es ist nicht so, dass in diesem bezaubernden Bundesland Maschinenpistolen nur noch verschwinden und fürderhin nicht aufgefunden werden können. Nein. Keineswegs. Mitunter werden sie sogar echt guten Zwecken zugeführt, wie Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius diese Woche demonstrierte. Er überreichte dem Opferschutzverein Weißer Ring einen stattlichen Scheck über 32.000 Euro. Das waren Erlöse aus einer besonderen Aktion der niedersächsischen Polizei. Die ließ nämlich ausgesonderte Dienstwaffen einschmelzen und zu Füllfederhaltern umgestalten. Nein, nein: nicht so wie bei James Bond, der sogar mit Füllern schießen konnte. Mit den eingeschmolzenen Dingern kann man nur noch schreiben – frei nach dem Motto des Propheten Micha, dass die Völker dereinst aus „Schwertern Pflugscharen“ machen sollten. Und aus Spießen Sicheln. Herrliche Vorstellung, gute Aktion, friedensstiftend, nur zu loben.

Weinstöcke statt Runkelrüben

Der Herr Micha aus dem Alten Testament wird übrigens, wenn wir uns recht erinnern, zu den sogenannten Kleinen Propheten gerechnet, obwohl er gar nicht klein an Wuchs war, sondern groß an Sprachmächtigkeit. Ein echter Revoluzzer. Böses hat er korrupten Oberhäuptern prophezeit und käuflichen Priestern. Sein Herz schlug für die Friedfertigen, für die Klein- und Weinbauern. Wenn die Rüstungen dereinst verschrottet würden, könne keiner mehr lernen Krieg zu führen. „Ein jeder wird unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen, und niemand wird sie schrecken.“ Wenn der Klimawandel so weitergeht, könnte dies auch für Niedersachsen eine Alternative sein. Weinstock statt Runkelrübe. Feigenbäume statt Grünkohlplantagen. Datteln statt Mettwürste. Und der Winter wird auch abgeschafft.

Zu den Vorzeichen des vom Propheten vorausgesagten kommenden Weltgerichts zählt sicherlich auch die Meldung, dass dem Gelegenheitskomiker Jan Böhmermann im Traum der große Willy Brandt erschienen ist, was offenbar nichts Gutes bewirkte. Böhmermann will jetzt selbst SPD-Vorsitzender werden, nur fehlt ihm noch die Mitgliedschaft für die Partei, die am Sonntag um 18 Uhr ihre Bewerberliste schließt. Da die Zeiten derart so sind, dass Komiker, Erratiker und Irre aller Art schnell zu Präsidenten aufsteigen können, ist Böhmermann von einer Kandidatur strikt abzuraten.

Bienenfleißige Völker

Abgesagt hat diese Woche Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast einen Pressetermin, bei dem „fleißige Völker im Ministeriumsgarten“ bestaunt und deren Erträge verkostet werden sollten, was auch als Form von Mundraub gelten könnte. Denn wer sagt denn, dass Bienen ihren Honig für uns Menschen produzieren wollten? Aber egal. Otte-Kinasts grüner Vorgänger Christian Meyer reagierte gallig. Er vermutet hinter der Absage des Termins einen Streit mit den Bienenrettern und schrieb, Otte-Kinast sei mit ihrer Agrarpolitik „eher Schutzpatronin für Pestizide denn für Bienen“. Ach ja. Von der Zeit, dass ein jeder friedlich unter seinem Weinstock sitzt, sind wir noch weit entfernt...

Von Michael B. Berger

Einmal die Woche leert HAZ-Reporter Michael B. Berger seinen (satirischen) Papierkorb. Diesmal: Vom Wald und vielen Bäumen.

19.07.2019
Niedersachsen Aus meinem Papierkorb Jenseits des Karnevals

Einmal in der Woche leert HAZ-Reporter Michael B. Berger seinen (satirischen) Papierkorb. Heute: Jenseits des Karnevals

13.07.2019

Einmal in der Woche leert HAZ-Reporter Michael B. Berger seinen (satirischen) Papierkorb. Heute: Ode an das Rös’chen aus Brüssel.

05.07.2019