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Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Von Hunden und Wölfen
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Aus meinem Papierkorb: Von Hunden und Wölfen

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18:22 21.06.2019
Michael B. Berger Quelle: HAZ

Na also, jetzt ist es heraus, was den Hund zum liebsten Tier des Menschen macht, ja in manchem Haushalt sogar das Tierchen zum Herrchen. Es ist dieser unverwechselbare Blick, der aus dem schief gelegten Kopf auf ein sich weit öffnendes Menschenherz trifft. Dieser süße, treue Hundeblick. Forscher der Universität Portsmouth haben herausgefunden, dass die Hunde im Zuge ihrer Domestizierung die Fähigkeit entwickelt haben, die Braue zu heben. Eine vertrauensbildende Maßnahme, die dem Wolf völlig abgeht, weshalb Wölfe nicht nur unter Schäfern auf solche treffen, die ihre Freßfeinde sind. Die englischen Forscher haben diese Erkenntnis übrigens im Vergleich der Gesichtsmuskulatur von Wölfen mit der von Hunden gefunden. Sie haben das echte Zivilisationsgeschenk, das die Domestizierung dem Hund machte, das Anheben der inneren Augebraue, im Fachjargon AU 101 genannt. Darauf, liebe Hundefreunde, wollen wir anstoßen.

Auch Politiker verstehen sich auf den Hundeblick. Besonders auf Fest- und Gedenkveranstaltungen, wenn sie Vorbilder, Freunde oder ehemalige Chefs loben. Niedersachsens CDU-Landesvorsitzender Bernd Althusmann schaute diese Woche besonders treuherzig seinen einstigen Chef Christian Wulff an, dessen 60. Geburstag in einer hannoverschen Hof- und Stadtkirche gefeiert wurde. Althusmann zitierte dabei einen englischen Philosophen und Urkonservativen namens Edmund Burke, der ihm allerdings nicht sonderlich vertraut erschien, weil er den Namen Burke wie Gurke aussprach. Dabei blökt man den Namen besser wie „böörk“ heraus, wenn man auf philosophischen Terrain verstanden werden will. Aber so sind sie, die Redenschreiber. Fügen bildungshuberisch einfach ein paar Philosophensätze hinein, um eine Rede zu veredeln. Der dem angeblichen Herrn Gurke zugeschriebene Satz „Für den Triumph des Bösen reicht es, wenn die Guten nichts tun“ ist übrigens fake news und stammt nicht von Burke.

Aber wir wollen nicht lästern, zumal wir selbst im Glashaus sitzen und mit Bauklötzen werfen wollen. Selbst altgedienten Kolumnisten passieren zuweilen grausame Fehler, etwa wenn sie im Zuge des neuen Baumsterbens im Harz von von Käfer befallenen Lärchen berichten, aber dies so schreiben, als hätte ein Singvogel die Krätze bekommen. Merke, es war die Lerche und nicht die Nachtigall, die eben jetzt Dein banges Ohr durchdrang. Aber unter dem Balkon von Romeo und Julia stand gewiss kein Kieferngewächs. Shame on me, liebe Leser und -innen!

Und sonst? Sind die Deutschen fast Weltmeister im Empfangen von Paketen. Zwar hat nicht jeder sein Päckchen selber zu tragen, aber in Deutschland werden so viele Pakete verschickt wie kaum in einem anderen Land. 24 Sendungen pro Kopf jährlich, nur China toppt mit 70 pro Kopf alles, während Italien eine Insel der Seligen sein muss: Nur zwei Pakete pro Kopf. Darauf einen Tusch! Und auf den stationären Einzelhandel!

Von Michael B. Berger

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