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Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Von Knastküchen, Hoeneß und Maulkörben
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00:15 17.03.2014
Von Michael B. Berger
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Eine der besten Knastküchen Deutschlands soll das noch zu Kaiserzeiten erbaute Gefängnis haben, in das Uli Hoeneß bald einziehen wird, sofern er nicht in eine Außenstelle im wunderschönen Andechs verlegt wird. Wir sehen schon vor uns, wie der Uli die Fußballmannschaft auf Trab und die Eigenwerbung der JVA in Schwung bringt, das Schimmelproblem beseitigt, sodass nicht nur die Knastküche zur Champions League der Massengastronomie zählt. Nur hoffentlich verlegt sich der Uli nicht darauf, in Landsberg ein Buch zu schreiben. Das haben andere Prominente – in Festungshaft – hier schon getan ...

Überhaupt, das Bücherschreiben. Früher hieß es, dass, wer nichts werde, ein Wirt werde. Heute werden verkrachte Existenzen Autoren und verlegen sich aufs Kommentare- oder Bücherschreiben. Auch Sebastian Edathy, untergetauchter Ex-MdB, eine Art Selbstentführungsopfer, hat angekündigt, ein Buch zu schreiben „über das Spannungsverhältnis zwischen privatem und öffentlichem Leben als Politiker“. Da sind wir, ohnehin Anhänger des Satzes, dass es kein richtiges Leben im falschen geben könne, einmal richtig gespannt.

Warum haben Politiker eigentlich oft entweder zu wenig oder gleich mehrere Persönlichkeiten? Weil das Politische so selten privat und das Private so schnell politisch wird? Oder weil die Rekrutierungsmöglichkeiten von Politikern immer schlechter werden, obwohl die Bundestagsbesoldung rasant gestiegen ist? Der Autor und Schlagerbarde Heinz-Rudolf Kunze („Dein ist mein ganzes Herz“), der sich als Menschenrechtsbeauftragter bedrohter Politiker profiliert, fordert jetzt jedenfalls mehr Respekt und Diskretion im Umgang mit prominenten Angeklagten. „Ich finde, manchmal wären mehr Diskretion, weniger Öffentlichkeit, weniger Gequatsche hilfreich für die Beteiligten“, quatschte Kunze der Nachrichtenagentur dpa am Rande der Leipziger Buchmesse in den Block. Das gelte gerade auch für die Richter, die in Promi-Prozessen wie zuletzt um Uli Hoeneß oder Altbundespräsident Christian Wulff unter enormem Druck stünden. Einen Tusch für die Richter im Lande der Henker und Dichter!

Mehr Diskretion wünschen sich auch die Grünen im Europaparlament von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder. Der soll, salopp gesprochen, die Klappe halten, wenn’s um Russland geht, finden die Grünen. Selbst wenn er richtige Sätze sagt über die kulturelle Gespaltenheit der Ukraine, von der die EU-Kommission in Brüssel nicht immer die beste Ahnung habe. Aber bei einem Putin-Versteher wie Schröder zünden selbst bei vernunftbegabten Grünen die alten Reflexe: Pssst, der Russe kommt. Und wenn die EU schon Verbote verhängt für 60-Watt-Glühbirnen und den Krümmungsgrad der Gurke vermisst, warum sollte sie nicht auch Maulkörbe für freiberufliche Bundeskanzler kreieren?