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Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Von Nackensteaks und Fressfeinden
Nachrichten Politik Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Von Nackensteaks und Fressfeinden
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18:39 15.02.2019
Michael B. Berger Quelle: HAZ
Hannover

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies hat sich vor Gericht geradezu einen Wolf gelaufen, um zu erreichen, dass ein Rodewalder Problemexemplar, das bei Wolfsfreunden noch zu keinem überzeugenden Kosenamen wie einst „Kurti“ gefunden hat, nun endlich letal der Natur entnommen werden kann. Hat zumindestens ein Gericht festgestellt. Doch damit dürfte, liebe Papierkorb- und Wolfsfreunde, die Sache noch lange nicht ausgestanden sein. Denn erst einmal muss der Minister das nur im Angriff keineswegs scheue Tier erst orten, um es anschließend erschießen zu können. Das setzt aber eine sogenannte Besenderung des Tieres voraus. O armes Niedersachsen, das schon längst kein Wolfserwartungsland mehr ist...

Jedenfalls falle Niedersachsen im Bundesvergleich im Tourismus immer weiter zurück, seufzte jüngst ein Tourismusexperte. Vermutlich nicht wegen der Wölfe. Denn warum soll man als Ausländer nach Hannover reisen, wenn die stolzen Hansestädte Hamburg und Bremen knapp danebenliegen. Dafür hat Hannover eine Rathausaffäre, einen umtriebigen Altkanzler und das Welfenhaus zu bieten, dessen Erbprinz die Marienburg mit öffentlichen Subventionen zum „Neuschwanstein des Nordens“ machen will, wo man Massen von Chinesen, Japanern, Nordkoreanern oder US-Amerikanern verklappen könnte. Wenn die nur wüssten, dass bei Pattensen die Marienburg liegt...

Hamburg hat übrigens nicht nur Reeperbahn, die Elbvertiefung und den Ich-kann-auch-Kanzler Olaf Scholz zu bieten, sondern auch dessen schmucken Vorvorgänger Ole von Beust. Der brachte neulich in einer Veranstaltung in Hannover auf den Punkt, wofür die CDU stehe, nämlich für „Nackensteak, Arbeit bis zum Umfallen und Autofahren“ – eine Kombination, die warmduschenden Veganern wie der Vorhof der Hölle erscheinen muss und eher sensiblen Menschen den Angstschweiß unter die Achseln treiben müsste. Doch wofür steht die SPD, nachdem „hol’ mir mal ne Flasche Bier“ nun wirklich aus der Zeit gefallen ist? Ist sie nun die Partei der Wolfsfreunde oder Wolfsfeinde, der Dieselgegner oder -Fahrer? Fragen über Fragen.

Wenigstens eine Sicherheit bleibt: Die Schwarze Heidelibelle ist Libelle des Jahres 2019, sie bevorzuge, wie der BUND vermeldete, „moorige, saure und nährstoffarme Gewässer“. Ihr Fressfeind ist nicht der Wolf, sondern? Richtig: Der Fisch. Wenn das kein Trost ist...

Von Michael B. Berger

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