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Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Zwischen Gülle und Käferkalamitäten
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Aus meinemPapierkorb: Von Gülle und Käferkalamitäten

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20:15 13.09.2019
Michael B. Berger Quelle: HAZ

Ach, wie sang sie doch so schön, die unvergessliche Marika Rökk, in einem langsamen Foxtrott: „Kauf dir einen bunten Luftballon / Nimm ihn fest in deine Hand / Stell dir vor, er fliegt mit dir davon / in ein fernes Märchenland.“ Achja, schnief, unvergessen, herrlich. Vermutlich mag Niedersachsens Grünen-Landesvorsitzende Anne Kura sich gedacht haben, dass in Zeiten, wo die Scham flugs um sich greift, auch so ein Lied nicht einfach geträllert werden kann. Luftballons verbieten, zumindest gasgetriebene. Warum denn nicht? Und sofort haben all die anderen wieder ein Thema, auf dem sie herumreiten können, weil doch alles mit allem zusammenhängt (Heraklit), und alles irgendwie immer Klima ist. Doch eines bleibt (dank Youtube): Marika Rökk und ihr langsamer Foxtrott, „Drum kauf dir einen bunten Luftballon / Und mit etwas Fantasie / fliegst du in das Land der Illusion / und bist glücklich wie noch nie.“

Glücklich wie noch nie kann man auch im niedersächsischen Landtag werden, zumal wenn hier der Niedersachse zu sich selbst kommt. Schön sind immer wieder Debatten über die Gülleproblematik, aber himmelstürmend (in sprachlicher Hinsicht) die Oden auf den sterbenden Wald. Insbesondere, wenn Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast, die Rökk des Landeskabinetts, über die „Käferkalamitäten“ im Harz spricht, wo sich das „Kalamitätsholz“ in Kubikmetern stapelt, obwohl allüberall „Borkenkäferfallen“ lauern, die mit „Borkenkäferlockstoffen“ randvoll angefüllt sind, dann, ja dann, wird es so still im Hohen Haus, dass man vorm inneren Ohr leise den Borkenkäfer schmatzen zu hören vermeint. Ganz waldschamig wird einem dann.

Apropos Scham. Neben der „Flugscham“ und der „Fleischscham“ gibt es jetzt auch die „Kaminscham“ (wegen der vielen Feinstäube, die durch den Schornstein ziehen wie die Hexe in Humperdincks „Hänsel und Gretel“). Doch wann kommt die große „Käferscham“, wenn dem großen Waldsterben im Harz das große Käfersterben folgt? In jedem Fall werde die „Wieder-Bewaldung“ (noch so ein wundersames Wort) eine langwierige Sache, sagt die Frau Ministerin.

Und wir fragen uns, ob nach der „Wieder-Bewaldung“ auch das große Grämen kommt, das der „Wieder-Vereinigung“ folgte und im Osten noch nachhängt? Fragen über Fragen.

Dumm gelaufen ist die Werbung, die der VW-Konzern mit der Klima-Heiligen Greta Thunberg treiben wollte. Auf einer Seite des VW-Konzerns sah man die junge Schwedin mit Regenschirm und dem Zitat „Wir schulden es unseren Kindern, die richtigen Antworten zu finden“, obwohl Thunberg es den Wolfsburgern gar nicht erlaubt hatte, mit ihr zu werben. Hunderte Twitter-Nutzer protestierten, die Seite wurde gelöscht. Aber mit dicken Sprüchen haben es die Autobauer, selbst in kalamitären Zeiten. Wie lautete noch der Spruch, mit dem Audi vor der Dieselbetrugsaffäre für sich warb? „Vorsprung durch Technik“. Kann ins Auge gehen so eine Maxime. Wir wünschen (völlig schamlos) ein prima Klima fürs Wochenende.

Von Michael B. Berger

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