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Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Von Kampf- und anderen Drohnen
Nachrichten Politik Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Von Kampf- und anderen Drohnen
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16:07 29.03.2019
Michael B. Berger Quelle: HAZ
Hannover

Ach, uns würde doch etwas fehlen, könnten wir nicht täglich Einblick nehmen in die Abgründe des Hohen Hauses der Engländer, die dieses vermutlich nicht ohne Grund Unterhaus nennen – wie in Mainz jenes Theater, in dem alljährlich der Deutsche Kleinkunstpreis verliehen wird.

Und wurde früher den aufbrausenden Göttern eine Jungfrau oder Vergleichbares in die Wellen geworfen, um das aufbrausende Meer zu beruhigen, wäre Theresa May doch wohl nun absolut fällig, den Opfergang anzutreten. Obwohl auch das nichts am Unernst der Lage ändern würde. Ein achtfaches donnerndes Helau, titelte diese Woche der Londoner „Guardian“. Sorry, das war fake news. „The Gurdian“ titelte (Übersetzung von heimischer Redaktionskraft:) „Das Parlament hat schließlich das Sagen: Nein. Nein. Nein. Nein. Nein. Nein. Nein. Nein.“ Das nennen wir ein klares Votum.

Demgegenüber zeigt sich der niedersächsische Landtag mehrheitlich als ein Parlament der Ja-Sager, was schon die Große Koalition mit sich bringt, die nicht gerade für große Debatten sorgt. Aber immerhin wird in Niedersachsen „zielführend“ diskutiert, ein Wort, das immer mehr Abgeordnete in ihren Reisewortschatz mitnehmen. Wir wissen nicht, woher das Wort stammt (vermutlich aus der Welt der Controller, die sich „zielführend“ immer wieder an den Personalabbau machen), staunen indes über den geradezu inflationären Gebrauch, der bei englischen Parlamentsdebatten völlig abhanden gekommen ist. Von wegen: niemand ist eine Insel.

Wenig zielführend dürfte indes die Bemerkung gewesen sein, die die Grünen-Landtagsabgeordnete Miriam Staudte über Landeslandwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast fallen ließ. Diese, meinte Staudte, sei eigentlich „keine richtige Politikerin“ (angesichts des Verrufs, in dem dieser Stand manchmal steht, fast ein Lob), sondern sie sei eine „Führungs-Drohne des Landvolkes“. Nun fragen wir uns, welchen Drohnen-Typ die Grüne gemeint hat. Eine unbemannte Drohne der US-Luftwaffe? Das doch wohl nicht. Aber wo gibt es „Führungs-Drohnen“ im Reich der Bienen, wo die Hummel so genannt wird? Als männliche Honigbiene möchten wir uns die Frau Ministerin nicht vorstellen, auch wenn sie jüngst sogar vor ihrem eigenen Ministerium einen Blühstreifen angelegt hat. Aber als „Bienen-Königin“, die sogar den Winter überlebt, will Staudte Frau Otte Otte-Kinast kaum geschmäht wissen. So bleiben Fragen über Fragen.

Fragen stellen sich auch zur jüngsten Pressemitteilung der Landesforsten, in der vom nicht enden wollenden Kampf gegen den Borkenkäfer berichtet wird und in der es heißt, die Förster stünden „in den Startlöchern“. Also, Wanderer, gib acht, dass Du nicht in ein Startloch fällst. Die milden Wintermonate, heißt es dort weiter, hätten den Käfern „nichts anhaben können“. Aber warum sollen milde Monate überhaupt jemandem „etwas anhaben“, wo es mitunter so mild ist, dass man gar nichts mehr anhaben muss. Aber wir schweifen ab. Fest steht: Der Kampf gegen den Käfer geht weiter. Und sollten Sie ein kleines, einem Tipi-Zelt nicht unähnliches Ding an einer niedersächsischen Fichte entdecken, so könnte es sich um eine Borkenkäfer-Falle handeln.

Von Michael B. Berger

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