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Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Von Kröten und Kandidaten
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Von Kröten und Kandidaten

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17:50 21.02.2020
Michael B. Berger Quelle: HAZ
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Viel zu früh. Viieel zu früh. Wieder ein Zeichen für das nahende Weltenende und den Klimawandel. Naturfreunde sind entsetzt, Amphibienliebhaber zugleich be- wie auch entgeistert. Doch niemand von ihnen kann sie stoppen, die allgewaltige Krötenwanderung, die nachts an den Rändern unserer Tümpel und Teiche und auf den Straßen zu besichtigen ist. Noch drei Wochen vor der Zeit machen sich Kröte, Molch und Frosch auf die Wanderung. Sie folgen, den Geschlechtspartner geschultert, den Spuren der Lust und der Last der Vermehrung bis zum nahe gelegenen Laich- und Geburtsgewässer. Sie scheuen dabei kein Risiko und trotzen der Gefahr, unter einem Reifen ihr glitschiges Leben auszuhauchen, nur um als Gattung zu überleben. Ein gefährliches wie auch gewaltiges Unterfangen. Aber so ist die Natur, wenn sie ausschließlich den Trieben folgt: ohne Moral und Verstand. Und absolut grausam.

Wie jetzt den Übergang finden zu einem der schönsten Exemplare, die die Berliner Politik bieten kann? Wie den Weg finden von der Kröten- zur Kandidatenwanderung bei der CDU, die diese Woche mit Norbert Röttgen ihren Anfang nahm? Er, den wir jahrelang vergessen hatten, will es tatsächlich wissen: Nobby, den sie einst den „George Clooney der CDU“ nannten. Oder „Muttis Klügsten“. Nobby will Kanzler werden, aber zuerst CDU-Vorsitzender. „Erster!“, hat er bereits bei seiner offiziellen Vorstellung als Kandidat gerufen, und wir erinnern an die biblische Weisheit von den Ersten, die dereinst Letzte sein werden im Weinberg des Herrn beziehungsweise im großen Laden der AKK, ein Kürzel, an das wir uns bereits gewöhnt haben (obwohl es viel zu viele Saarländer in der Bundespolitik gab und gibt). Aber was meinte AKK mit dem denkwürdigen Satz, sie werde die K-Frage (Kandidat, nicht Kröte!) „nach vorne“ lösen? Wann kommt endlich der listige Laschet aus der Deckung? Wann der forsche Friedrich? Oder gibt es noch mehr Nordrhein-Westfalen, die den Marschallstab im Tornister wähnen?

Warum bietet sich eigentlich kein Kandidat aus Niedersachsen an, obwohl uns jetzt niemand einfiele, der in der CDU George-Clooney-Qualitäten haben könnte. Unter den eher Besseraussehenden hat das Landeskabinett nur Umweltminister Olaf Lies zu bieten, der allerdings (man höre und staune) zur SPD zählt. Wissenschaftsminister Björn Thümler ist eine zu bodenständige Erscheinung, als dass er in die Bundespolitik wechseln könnte. Und Wirtschaftsminister Bernd Althusmann, der in ganz frühen Jahren einen Robert Redford abgegeben hätte, ist in der Folgezeit an Breitenwirkung zwar gewachsen, doch zählt die Tage, wann er hier in Niedersachsen die Macht übernehmen könnte. So bleibt Niedersachsen im großen CDU-Casting wohl unberücksichtigt. Schade eigentlich, zumal wir auch keinen zugesammengeschossenen Mafiaboss mehr in der MHH haben, der der möglichen Kulturhauptstadt Hannover etwas Nervenkitzel und Glamour gebracht hatte.

Was bleibt? Die unendliche Weite dieses Bundeslandes. Und die Gewissheit, dass die Firma Jägermeister mit dem Logo ihrer Spirituosen keine religiösen Gefühle verletzt. Hat zumindest ein Schweizer Gericht geurteilt, das an dem Hirschkopp mit dem Kreuz im Strahlengewand nichts Anrüchiges fand – im Gegensatz zum Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum, das das Jägermeister-Logo nicht unter Schutz stellen wollte. Darauf einen Dujardin!

Von Michael B. Berger

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