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Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Von Mauern und Tannenprothesen
Nachrichten Politik Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Von Mauern und Tannenprothesen
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16:45 24.10.2009
Von Michael B. Berger

Die Teile, die Niedersachsen von diesem bröckligen Erbe bekommen hat, sollen am 2. November feierlich in Braunschweig aufgestellt werden – und Städte wie Hannover können im Grunde froh sein, dass sie von diesen versprengten Mauerresten befreit bleiben, haben sie doch das Kröpcke-Center, das Ihme-Zentrum und andere betonierte Bollwerke der Wiederaufbaujahre, um die sie vermutlich kein Historiker beneiden wird. Aber hier gilt der alte Gernhardtsche Leitspruch: Dich will ich loben, Hässliches, Du hast so was Verlässliches.

Anders ist das mit dem Verdener Dom, ein frühes Kunstwerk der Gotik, wunderbar drappiert in der Altstadt. Der soll nun möglichst fast gar nicht musikalisch bespielt werden, weil eine Anwohnerin in ihrem Garten keine Proben Bach’scher Chor- oder Orgelmusik vernehmen will. Die Frage ist nun, wer weicht: Der Dom oder die unmusikalische Nachbarin. Und was lernen wir daraus? Wer im Schatten eines Domes sein Apfelbäumchen pflanzt, sollte nicht aus den Fugen geraten, wenn der Dom musikalisch aus dem Häuschen ist.

Nach Braunschweig passen die Mauerreste übrigens gut, weil diese Stadt traditionell etwas leicht Rückwärtsgewandtes hat. So erinnert sie in diesem Jahr permanent an das 800. Jubiläum der Kaiserkrönung von Otto IV., einem Lieblingsneffen von Richard Löwenherz, der nach wenigen Jahren des Königseins zum Exilanten in Braunschweig wurde und sein Leben auf einer finsteren Burg im Harz aushauchte. In diesem schwer geschichtsbeladenen Kontext wirken die Berliner Mauerreste im ottonischen Braunschweig wie ein munterer Aufbruch zur Republik.

Ganz der Zukunft zugewandt ist da die Gemeinde Alfhausen im Landkreis Osnabrück. Hier hat ein Tüftler ein Verfahren entwickelt, wie man Weihnachtsbäumen aufhelfen kann, die über eine kümmerliche Krone verfügen. Na, wie wohl? Richtig: Mit einer Prothese, mit einem „Zweigersatzhalter“, wie der „Weser-Kurier“ dankenswerterweise berichtet. Die Plastikhülsen, geschickt in die Spitze der Tanne gesetzt, verwandelten Weihnachtsbäume zweiter Wahl „in optisch makellose Prachtexemplare“ und kosteten nur 1,50 Euro pro Stück. Auf die Idee sei er nicht selbst gekommen, gesteht der sympathische Tüftler. Ein Chinese habe sich das ausgedacht. Gut gegeben. Denn im Reich der Mitte gilt ohnehin: Das Plagiat ist die Mutter des Erfindergeistes.

Es ist wirklich nicht schön, was uns das Meinungsforschungsinstitut Forsa so täglich auf den Tisch bringt. Nein, wir meinen nicht die jüngste, ziemlich grausame Prognose, dass sich nur noch zwanzig Prozent der Bundesbürger entschließen würden, die SPD zu wählen. Viel gravierender ist der neueste Forsa-Befund zur Zahngesundheit.

Michael B. Berger 16.10.2009

Also, bei mancher E-Mail, die einem in den Topf geworfen wird, zuckt man doch zusammen. Da schreibt mir ein ThinkTank („Ich bin zwei Öltanks“) aus Karlsruhe, dass noch „Hochschulstipendien für Querdenker“ zu vergeben seien – und landet hier an der absolut falschen Adresse.

Michael B. Berger 18.09.2009
Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Die Parteien verlieren ihre Konturen, wie wir nicht unsere Pfunde - Abgesang auf einen Sommer

Schwer dräuen Septemberwolken übers Land, texten uns die Wahlkämpfer zu mit unwirklichen Weisen von Saft und Kraft, vermeldet der Deutsche Depeschendienst „Herbst ist nicht mehr aufzuhalten“, während ein örtlicher Polizeireport lakonisch notiert: Meerschweinchen beim Sperrmüll „entsorgt“. Ja, mein Gott, es kann doch nicht alles in der Asse landen!

Michael B. Berger 11.09.2009