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Podcast-Glosse: Aus meinem Papierkorb Von Nashörnern und Großkoalitionären
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18:36 17.11.2017
Quelle: HAZ
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Von Nashörnern und Großkoalitionären (2 MB)

Ach, in diesen Zeiten möchte man kein Nashorn sein. Nur gut, dass Spitzmaulnashornbullen, die im „ErlebniszooHannover landen, keine Pressemitteilungen des Zoos lesen. Denn in ihnen wird etwa Kito, „der Neue am Sambesi“, rein auf seine Funktion reduziert, was auch moderne Männer gar nicht mögen. Kito, „stattlich gebaut, tiefgraue Haut und spitze Lippen“, heißt es in der jüngsten Pressemitteilung, ist vor kurzem aus Dänemark gekommen und „in wichtiger Mission angereist: Zur Arterhaltung.“ Es folgt ein Ausrufezeichen. Hohoho. Da Spitzmaulnashörner in freier Wildbahn vom Aussterben bedroht seien, bleibt ihnen zur Arterhaltung angeblich nur der Erlebniszoo. Aber wir fragen uns, ob Sex im Zoo wirklich eine humane Perspektive bietet. 

Jetzt den Übergang zur Großen Koalition zu finden, die sich in Hannover gebildet hat, ist nicht ohne Risiko. Aber ist die Landespolitik in gewisser Weise nicht auch ein Erlebniszoo - und jede erregte Landtagsdebatte ein bißchen exotisch wie die Tränke am Sambesi? Immerhin dienen auch Koalitionen in gewisser Weise der Arterhaltung und halten eine geraume Weile, wenn sich ihre Mitglieder artig verhalten. Das erwarten jedenfalls die Parteioberen, die wie SPD-Chef Stephan Weil loben, dass während der Verhandlungen erfreulich wenig Indiskretionen nach außen drangen. Wir von der Journaille bedauern das natürlich, weil die politische Berichterstattung - da soll man sich nichts vormachen - seit Generationen von der üblen Nachrede lebt. Wusste schon Tucholsky, dass sich die fiesesten Nachrichten „durch das wehrlose Telefon“ verbreiten. Heute eben im Internetz. Aber schon beachtlich, dass in Hannover nach zwei Wochen Verhandlungen immerhin was herauskommt, während in Berlin nächtliche Szenen geboten werden, die an shakespearsche Königsdramen erinnern. Und es stinkt zum Himmel, dass der Herr Kubicki kaum noch zum Duschen kommt. 

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„Kommen Tiere in den Himmel?“ Diese Frage wurde diese Woche in Hannover diskutiert. Wir sind bereits unsicher, ob der Herr Kubicki in den Himmel kommen kann. Aber dieses einmal unterstellt: Ist da überhaupt noch Platz? Und die Frage bleibt doch, ob es wünschenswert wäre, dass Spitznashornbulle Kito nach arterhaltender Haltung im hannoverschen Erlebniszoo dereinst im Himmel landet. Schon wegen des vielen Weltraumschrotts, der da herumdüst, wäre so eine Himmelfahrt selbst für ein Panzernashorn eine ziemlich riskante Angelegenheit ... 

Weniger über den Himmel, dafür mehr über Kirchenmtgliedschaft hat jetzt die EKD-Synode in Bonn diskutiert, etwa ob es eine „Kirchenmitgliedschaft auf Zeit“ geben sollte, so eine Art protestantisches Monatsabo. Immerhin kann man aus der Kirche austreten - diese Liberalität unterscheidet die EKD von der ARD, die früher eine Gebühreneinzugszentrale hatte, die jetzt freundlicher „Beitragsservice“ heißt, obwohl sie von uns immer nur das Eine will: Gebühren, Gebühren. Monat für Monat. Ohne Gnade. Und bis zum Lebensende.

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