Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Die RAF Was wollte die RAF?
Nachrichten Politik Themen Archiv Die RAF Was wollte die RAF?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:00 17.08.2007
Quelle: Handout
Anzeige

Diese drei Ereignisse waren die spektakuläre Entführung des Arbeitergeberpräsidenten Schleyer; die Kaperung des Touristenflugzeugs „Landshut“ und der kollektive Selbstmord der RAF-Spitze im Gefängnis Stuttgart-Stammheim.

Was wollte die RAF?

Damals erklärten ein paar Dutzend junger Leute der Bundesrepublik, dem westlichen Teil Deutschlands, den Krieg. Sie glaubten, zu dieser Gewalt berechtigt, ja, verpflichtet zu sein, um endlich überall auf der Welt gerechte Verhältnisse herzustellen. Sie wollten Teil einer Weltrevolution sein, die letztlich eine globale kommunistische Gesellschaft erstreitet. Damals, in einer Zeit wachsenden Wohlstands, der Fast-Vollbeschäftigung, wollten viele Jugendlichen irgendwie „raus“ aus einer als eng und als spießig empfundenen Gesellschaft, ja, viele wollten sie mehr oder weniger radikal „verändern“.

Welche Motive hatte die RAF?

Diese jungen Leute, überwiegend Twens und Anfangsdreißiger, orientierten sich an der „Stadtguerilla“, wie sie in einigen südamerikanischen Diktaturen entstanden war und die mit Anschlägen und Morden diese Militärdiktaturen erschüttern wollte. Manche glaubten, wenn man Bombenanschläge verübt, Repräsentanten des Staates und der Wirtschaft ermordet, kann man die Staatsmacht dazu provozieren, ihr „wahres““, also ihr verstecktes faschistisches Gesicht zu zeigen. Einige hofften, dass sich ihnen dann die ausgebeuteten Volksmassen anschließen würden.
 
Die erste Generation dieser kleinen militanten Bewegung, ihre Gründer, war im Krieg geboren worden, mit Ausnahme der Journalistin Ulrike Meinhof, die schon 1934 auf die Welt kam.

Die Kinder ihrer Eltern

Die, die in den fünfziger und frühen sechziger Jahren in die Schule gingen, erlebten eine Zeit der stickigen gesellschaftlichen Atmosphäre, zunächst des Mangels wie des fleißigen Wiederaufbaus, dann des wachsenden Konsums, aber auch des Verdrängens der Nazi-Vergangenheit. Die Väter waren, wenn sie nicht im Krieg umgekommen waren, oft erst nach Jahren aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt und wollten, oft verkrampft, wieder ihre Autorität herstellen. Sie kamen als Verlierer zurück, aber zu Hause verlangten sie Gehorsam und Anpassung, nicht selten mit Gewalt, die aber als „elterliches Züchtigungsrecht“ legitimiert war. Unehelich geborene Kinder galten als Schande und hatten sich ihrer Herkunft zu schämen. Anders als heutige Eltern, die mit ihren Kindern den Musikgeschmack teilen oder für die es ganz selbstverständlich ist, dass ihre Söhne und Töchter ihren eigenen Musik- und Kleidungsgeschmack entwickeln, reagierten die Eltern von damals häufig panisch auf die gerade aufkommende Jugendmode, in der Jeans (so genannte „Texashosen“) zum Symbol von Freiheit und Abenteuer wurden. Der harte, mit sexuellen Anspielungen garnierte Rock ’n’ Roll galt den Älteren als primitive „Negermusik“. Es war kränkend für die Erwachsenen, wie schnell die Jugend die Populärkultur der amerikanischen Sieger aufsog und sie als Versprechen für ein besseres, ein freieres Leben begrüßte.